Stefan Troebst
Leipzig

Geschichtspolitik und historische „Meistererzählungen“
in Makedonien vor und nach 1991
*


Der Zerfall der jugoslawischen Föderation hat die Historiker in den Nachfolgestaaten vor die Aufgabe einer Re-Nationalisierung der bis dahin dominanten gesamtjugoslawischen historischen „Meistererzählung“ gestellt. [1] Lediglich Makedonien stellt eine Ausnahme dar: Hier war das 1952 proklamierte Ideologem des Jugoslawismus demjenigen des Makedonismus durchgängig nachgeordnet [2] , da mit der Gründung dieser Teilrepublik im Jahr 1944 nation-building überhaupt erst ermöglicht wurde. Daß eine Politik der Makedonisierung des jugoslawischen Vardar-Makedonien sowie vorübergehend auch des bulgarischen Pirin-Makedonien bei paralleler Jugoslawisierungspolitik wenig erfolgversprechend war, hatte die Kommunistische Partei Jugoslawiens klar erkannt. [3] Natürlich ist der Verzicht auf dieses supranationale Konzept keine hinreichende Erklärung für den Erfolg des von Belgrad betriebenen makedonischen Nationsbildungsprojekts. Der US-amerikanische Sozialanthropologe Keith S. Brown hat daher 1995 diesen Erfolg anhand der „nationalen Imagination“ im nun unabhängigen Makedonien zu überprüfen versucht und zu diesem Zweck folgende Leitfrage formuliert:

„In the 1990s, Macedonians speak a language codified in 1946, spoken by less than two million people, and with a very slender literature. They are members of an Orthodox Church whose authority was established by a socialist political regime in 1968. They are heirs to a 1903 revolution that until the 1940s was described by almost all sources as being Bulgarian. They are descend[ants] from people who were called, and at times called themselves, Serbs or Bulgarians. They have no modern history of independent statehood; the last period that they can claim as boasting a Macedonian regime was in the 11th century. The Republic of Macedonia, established by consensus authorized by a referendum, has no internationally agreed name [...]. Yet its Slavic inhabitants have no doubt that they are Macedonians, and that the territory they occupy has always been and should always be occupied by Macedonians. The question that baffles many Western observers is simple: how do these people know who they are?“ [4]

Vorausgesetzt „sie“ wissen es wirklich, muß eine von zwei zentralen Antwortkomponenten lauten: Weil „ihnen“ Historiker wie Politiker zunächst einer, dann unterschiedlicher Couleur mittels lange Zeit staatlich kontrollierter, inzwischen pluralisierter Transmissionsriemen wie Schule, Kirche, Armee, Medien, kommunistische Partei u. a. diese Botschaft in Form einer historischen „Meistererzählung“ vermittelt haben und weiter vermitteln. Oder anders, nämlich in die Diktion der gleichfalls jungen Forschungsrichtung der Analyse eliten- bzw. statsbetriebener „Geschichtspolitik“ gefaßt: Weil wir es hier mit einer erfolgreichen „öffentlichen Konstruktion von Geschichts- und Identitätsbildern, die sich [...] über Rituale und Diskurse vollziehen“, bzw. mit dem Versuch, „über die Deutung historischer Ereignisse Identitäten zu stiften“, zu tun haben. [5]

Die zweite Antwortkomponente scheint der ersten zu widersprechen: Ob die Makedonier mit Brown „wissen, wer sie sind“, ist im Prinzip unerheblich - entscheidend ist, daß sie wissen, wer sie nicht sein wollen, nämlich weder Bulgaren noch Serben, und schon gar nicht Griechen oder Albaner. Ausschlaggebend für diese explizit autochthone Option des „Nostrismus“ bzw. našizam (von naš – „unser“) aber ist nicht nur auf die Herstellung kollektiver Identität zielende regierungsamtliche Erinnerungspolitik – von Keith Brown anhand der Konstruktion samt Instrumentalisierung der sogenannten „Republik von Kruševo“ von 1903 beschrieben und analysiert -, sondern gerade auch rationales Kalkül sicherheitspolitischer, sozialer und nicht zuletzt ökonomischer Art. Makedonier, so könnte man sagen, deklarieren sich zumindest bis heute deswegen als „Makedonier“, weil sie zum einen von der Notwendigkeit wie Zweckmäßigkeit ethnonationaler Selbstzuordnung überzeugt sind und ihnen zum anderen das Identifikationsmuster „Makedonier“ seit 1944 als das attraktivste unter den zur Auswahl stehenden dieser Muster erscheint. Daß angesichts des hohen Konstruktanteils dieses Identifikationsmusters sowie mit Blick auf die bis zur Jahrhundertmitte wirksamen konkurrierenden Identifikationsangebote „Bulgare“ und „Serbe“ von Unumkehrbarkeit keine Rede sein kann, versteht sich dabei von selbst.

Die beträchtliche Effizienz elitenbetriebenen, gar staatlichen Identitätsmanagements geschichtspolitischer Observanz, die sich der Ethnologen Brown im makedonischen Fall anfänglich nur schwer erklären konnte, nimmt sich aus der Sicht anderer sozial- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen weitaus weniger überraschend aus. Miroslav Hroch, Ernest Gellner und Benedict Anderson haben in den vergangenen Jahrzehnten beschrieben, was David D. Laitin auf eine prägnante Formel gebracht hat: “Identities are not inherited like skin color [...] but constructed like an art object.” [6] Und die außermakedonische Makedonienhistoriographie hat den makedonische Nationsbildungsprozess schon immer mehrheitlich als eine Kombination autochthoner Integrationsbestrebungen “von unten” und staatlichen nation-building “von oben” dargestellt. [7]

Allerdings gestaltete sich in Makedonien der erst 1944 möglich gewordene Einsatz historischer „Meistererzählungen“ nationalgeschichtlicher Stoßrichtung deutlich schwieriger als dies etwa bei der Formierung der Nachbarnationen von Griechen, Serben, Bulgaren u. a. im 19. Jahrhundert der Fall gewesen war: Der Fundus an historischen Ereignissen und Figuren war von diesen Nachbarn gleichsam geplündert worden - der Nachzüglernation blieben lediglich Reste. Die Folge war, daß man zum einen Teile der „geraubten Geschichte“ zurückholte und zum anderen die besagten Reste zum Fundament autochthoner Geschichte auszubauen versuchte. [8] Dies resultierte in einer langen Phase des Experimentierens und Revidierens, in deren Verlauf der Einfluss außerwissenschaftlicher Instanzen ständig anstieg. Dieser ganz spezifische Politik-Historiographie-Nexus in der Sozialistischen Republik Makedonien (SRM) innerhalb der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) ist eingehend im Rahmen des großangelegten Forschungsprojekts „Die Interdependenz von Historiographie und Politik in Osteuropa“ behandelt worden, welches Günther Stökl 1975 initiierte und das sich zum Ziel setzte, neben Leistungen und Entwicklungstendenzen vor allem die politische Funktion der Geschichtswissenschaft in den kommunistisch regierten Staaten Europas von der Mitte der sechziger Jahre an zu beleuchten. Im Mittelpunkt dieses Unternehmens stand dabei die „Produktion“ von Loyalität ideologischer wie nationaler Art. [9] Ergebnis der 1983 veröffentlichen Teilstudie zum Fall Makedonien war, daß es sich hier im Wortsinne um Interdependenz, also wechselseitige Beeinflussung von Politik und Geschichtswissenschaft handelte, nicht etwa um eine bloße Befehlsempfängerrolle der Historiker. Diese allerdings hatten für ihren beträchtlichen politischen Einfluss den Preis wissenschaftlicher Erstarrung zu entrichten. Entsprechend pessimistisch fiel das Resümee aus:

„Das Haupthindernis für eine methodische Belebung der makedonischen Geschichtswissenschaft ist zweifellos die [...] einzigartige Symbiose von politisch aktiven Teilzeithistorikern und denjenigen Berufspolitikern, die sich aufgrund der spezifischen Gegebenheiten der SRM intensiv der Konstruktion einer realpolitisch ‚operablen‘ Nationalgeschichte widmen. Dieser Grad an Interdependenz von Historiographie und Politik hat selbst in Ost- und Südosteuropa nicht seinesgleichen.“ [10]

Was damals auf die jugoslawische Teilrepublik Makedonien gemünzt war, gilt zu großen Teilen auch für die neue Republik Makedonien. Seitens der Titularnation des 1991 unabhängig gewordenen Balkanstaates und ihrer politischen Repräsentanten wird „Geschichte“ als Argument für das Festhalten am Konzept von Demokratie als ethnisch weitgehend geschlossener Veranstaltung verwendet: Man habe nicht, so diese ethnozentrische Sicht der makedonischsprachigen Mehrheit, „ein Jahrhundert lang“ um die Unabhängigkeit „gekämpft“, um jetzt den eigenen Staat mit albanischen „Immigranten“ aus jugoslawischer Zeit zu teilen! [11] Diese Reflexionsebene ist auch diejenige der ersten Verfassung der neuen Republik Makedonien, deren (mittlerweile entschäfte) Präambel das Land als „Nationalstaat des makedonischen Volkes“ definiert und dem übrigen Bevölkerungsdrittel, „den Albanern, Türken, Walachen, Roma und anderen Minderheiten“, eben diesen minderen Status zugewiesen hatte. [12] Mit Blick auf die moderne Geschichte der Region Makedonien war dies übrigens eine ausgesprochen unhistorische Definition, denn die Autonomiebewegung im osmanischen Makedonien der Jahrhundertwende, auf die sich die Verfassungspräambel beruft, operierte mit einem multiethnischen, ja supranationalen Regionalkonzept, in dem der Begriff „Makedonier“ als Kollektivterminus für Bulgaren, Türken, Aromunen, Juden, Serben, Albaner, Griechen u. a. stand. [13] Eine ethnonationale Konnotation der Bezeichnung „Makedonier“, die auf eine christlich-orthodoxe, südslawischsprachige Nation - zusätzlich zu denjenigen von Bulgaren und Serben - zielte, war damals in der balkanischen Zentralregion selbst nicht geläufig und gewann, wie gesagt, erst vom Zweiten Weltkrieg an an Bedeutung.

In einem intellektuellen Umfeld wie dem beschriebenen, in dem – in Eric Hobsbawms plastischem Bild - „Geschichte“ das Hauptingredienz zur Herstellung politischen Sprengstoffes ist [14] , haben zwar Historiker weiterhin eine wichtige gesellschaftliche Funktion, doch hat es professionelle Geschichtswissenschaft gerade deswegen außerordentlich schwer. Die historiographische Produktion in Makedonien in den neunziger Jahren belegt die erdrückende Übermacht politikgeschichtlicher und zeithistorischer Themen, die sämtlich „national“ instrumentalisierbar sind. [15] Zwar haben der Sprung in die Eigenstaatlichkeit 1991 und die damit einhergehende Entwertung des Ideologiemonopols des Bundes der Kommunisten Makedoniens gerade auch der Geschichtswissenschaft eine Internationalisierungs- und damit Professionalisierungschance geboten, doch wurde diese bislang kaum genutzt. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die ohnehin starke Verflechtung von Politik und Historiographie, die aus der tragenden Rolle der Historiker für das 1944 initiierte makedonisch-jugoslawische nation-building-Projekt resultierte, stieg jetzt noch einmal stark an. [16] Hatte die Geschichtsforschung in Skopje bislang den Auftrag, die Existenz einer makedonischen Nation historisch herzuleiten und nach außen – also in Richtung Bulgarien, Griechenland, aber auch Serbien – zu propagieren, kam nun eine zentrale innenpolitische Funktion hinzu: Die überwiegend muslimischen albanischsprachigen Bürger des neuen Makedonien galt es als historisch allochthone Gruppe zu klassifizieren, als bestenfalls geduldete Gemeinschaft von „Fremden“, die bei politischem (oder anderem) „Fehlverhalten“ dahin „zurück“ zu gehen hatte, woher sie aus Sicht der Mehrheit gekommen war – nach Kosovo, gar nach Albanien. [17] Dabei war es seitens der Politik nicht einmal notwendig, den Institutionen geschichtswissenschaftlicher Forschung einen förmlichen Auftrag zum Beibringen „historischer Beweise“ zu erteilen, denn bezüglich der Aversion gegen die selbst in wissenschaftlich aufgemachten Publikationen mit der pejorativen Bezeichnung šiptari („Shipetaren“) belegten albanischsprachigen Makedonier [18] waren sich Postkommunisten und Nationalisten unter den makedonischen Historikern einig. Krste Bitoski, altgedientes Mitglied des engeren Führungszirkels des geschichtsmonopolistischen Instituts für Nationalgeschichte (Institut za nacionalna istorija [19] ), konstatierte 1998 in einem Beitrag über „Die ethnischen Veränderungen in der Republik Makedonien nach der Befreiung im Jahr 1944“ eine Überfremdung des Landes durch „muslimische Bevölkerung, vor allem albanische“: „Die albanische Penetration“, ihm zufolge „in den vergangenen zwei-drei Jahrhunderten nahezu permanent“, aber zunächst „von elementarem Charakter“, nahm in seiner Sicht mit der Gründung des Staates Albanien 1913 zielgerichtete Form an. [20] Seine ethnodemographische Zukunftsprognose lautete:

„Im Ergebnis dieser Veränderungen wurde die Position des makedonischen Volkes als Mehrheitsvolk ernsthaft verletzt, und dies obwohl es in der Vergangenheit durch seine Kämpfe und großen Opfer die makedonische Staatlichkeit geschaffen hat und deren Träger ist. Das Verhältnis zwischen makedonischer Mehrheit und albanischer Minderheit von 5:1 in den ersten Jahren nach der Befreiung ist [bis] 1991 auf 3:1 reduziert worden – eine alarmierende Warnung dahingehend, daß in nicht allzu ferner Zukunft das makedonische Volk zur Minderheit werden und damit seine Staatlichkeit verlieren wird: ein in der Geschichte des modernen Europa einzigartiger Fall.“ [21]

Daß diese Art Rhetorik in die Festschrift zum 50. Gründungsjubiläum des Instituts für Nationalgeschichte aufgenommen wurde, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Politisierungsgrad wie zugleich das wissenschaftliche Niveau dieser Institution. Der bewaffnete Konflikt zwischen der „Armee zur nationalen Befreiung“ (Ushtria Çlirimtare Kombëtare - UÇK) der albanischsprachigen Makedonier und den nahezu ausschließlich aus makedonischsprachigen Makedoniern bestehenden staatlichen Sicherheitskräften im Jahr 2001 [22] veranlasste dann selbst die beiden innovativsten wie produktivsten und zugleich namhaftesten Fachhistoriker der Tito- und Post-Tito-Ära, Ivan Katardžiev und Blaže Ristovski [23] , zu ähnlich nationalistischen, im Ristovskischen Falle auch rassistischen Äußerungen. [24] Daß es unter den beamteten Historikern im Institut für Nationalgeschichte, an den Universitäten Skopje und Bitola sowie in der Historischen Abteilung der Makedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Makedonska akademija na naukite i umetnostite) nur eine Handvoll albanischsprachigen Makedonier gibt, überrascht daher kaum.

Entsprechend dem weiterhin außerordentlich starken Politik-Historiographie-Nexus ist im Wissenschaftsbereich eine deutliche institutionelle und personale Kontinuität festzustellen. So heißt das Institut für Nationalgeschichte auch mehr als zehn Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung noch so – und nicht etwa Institut für die Geschichte Makedoniens -, ist das Institut für makedonische Sprache „Krste Misirkov“ (Institut za makedonski jazik „Krste Misirkov“) mitnichten in Institut für die Sprachen Makedoniens umbenannt worden, und auch das mitten in der Realisierung befindliche historiographische Großprojekt einer sechsbändigen Gesamtgeschichte heißt wie sein Vorläufer aus der Jahr 1969 [25] „Geschichte des makedonischen Volkes“ [26] , also nicht „Geschichte Makedoniens“. Das „makedonische Volk“ wird dabei nicht im juristischen Sinne als Staatsvolk, sondern eindeutig ethnonational definiert, schließt also die nicht-makedonischen Bevölkerungsteile samt ihrer Geschichte explizit aus.

Im Vergleich zur Zeit vor 1991 im Kern unverändert blieb dabei die 1944 geschaffene „Meistererzählung“ zur Geschichte eben dieses „makedonischen Volkes“. Diese kanonisierte Perspektive fokussiert auf zwei historische Kulminationspunkte, nämlich zum einen auf die antiosmanische Autonomiebewegung um die Jahrhundertwende, deren Beginn auf die Gründung der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“ (Vŭtrešna Makedonska Revoljucionna Organizacija bzw. Vnatrešna Makedonska Revolucionerna Organizacija – VMRO) 1893 angesetzt wird. Als Klimax gilt der Aufstand vom 20. Juli bzw. – nach neuem Stil: - 2. August, dem St.-Elias-Tag (Ilinden) des Jahres 1903, welcher in der genannten, ganze zehn Tage lang bestehenden „Republik von Kruševo“, einem Bergstädtchen in einer unzugänglichen Region, resultierte. Als der andere Kulminationspunkt wird der Partisanenkampf gegen die bulgarische, italienische und deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg hervorgehoben. Dessen Beginn wird dabei großzügig auf den Oktober 1941 datiert, und als sein Abschluß die konstituierenden Sitzung des „Antifaschistische Rates der Volksbefreiung Makedoniens“ (ASNOM) am St.-Elias-Tag 1944, des Vorläufers der Regierung der 1945 gegründeten Teilrepublik Makedonien innerhalb des Titoschen Jugoslawien, gewertet. Bereits damals wurden der Partisanenkampf als Vollendung des Aufstandes von 1903 und die zu gründende Teilrepublik des kommunistischen Jugoslawien als Fortsetzung der „Republik von Kruševo“ charakterisiert. [27] Das Epithethon „zweiter Ilinden“ wurde in der Folgezeit zum Om mani padme hum von Politik und Geschichtswissenschaft in Skopje. Der 1994 aufwendig begangene 50. Jahrestag der ersten ASNOM-Sitzung war augenfälliger Beleg dafür, daß sich daran auch im unabhängigen Makedonien nichts ändern sollte. [28]

Welche Reaktionen ein kritisches Hinterfragen dieser sakrosankten Verknüpfung von „erstem“ mit „zweitem Ilinden“ bis weit in die neunziger Jahre hinein nach sich zog, hat der besagte Keith Brown am Beispiel seiner eigenen Person und derjenigen des Nachwuchshistorikers Jovan Donev vom Institut für Nationalgeschichte eindringlich beschrieben. [29]

Die seit 1991 erfolgten Modifizierungen der historischen „Meistererzählung“ waren bis vor kurzem überwiegend kosmetischer Natur, was vor allem an der erwähnten starken Kontinuität bezüglich der Institutionen und Personen makedonischer Geschichtswissenschaft und Geschichtspolitik der Zeit vor und nach 1991 lag. Im Geschichtsbild der bis 1998 regierenden postkommunistischen Parteien der Republik Makedonien nahm sich die jugoslawische Teilrepublik gleichen Namens als Inkubator der neuen Nation und ihrer staatlichen Attribute aus – nicht etwa als Zwangsjacke eines autoritären Belgrader Regimes. Der Grund hierfür ist wohl nicht so sehr, daß es „wenig emotionale Abgründe zwischen den ehemaligen Kommunisten und ihren Gegnern und Opfern“ gab, wie der deutsche Diplomat und Makedonienkenner Klaus Schrameyer 1997 vermutet hat [30] , sondern daß diese „Gegner und Opfer“ aufgrund des postkommunistischen Monopols im Wissenschafts- und Medienbereich bis zum Machtwechsel von 1998 zu den Nationalkonservativen der Artikulationsmöglichkeiten weitgehend beraubt waren. [31] Deren dissidente Sicht auf die eigene Nationalgeschichte beleuchtet das Schlagwort vom „dritten Ilinden“ [32] , das auf das Unabhängigkeitsreferendum vom 8. September 1991 zielt: War die damit beschlossene Eigenstaatlichkeit in der Perspektive der Postkommunisten lediglich die Fortsetzung eines bereits 1944 begonnenen Prozesses staatlicher Affirmation, so sahen die Nationalkonservativen der den Koalitionsregierungen seit 1998 vorstehenden „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation – Demokratische Partei der Makedonischen Nationalen Einheit“ (Vnatrešna Revolucionerna Makedonska Organizacija – Demokratska Partija za Makedonsko Nacionalno Edinstvo - VMRO-DPMNE) in den Daten 1903 und 1944 lediglich Vorstufen der eigentlich entscheidender Periodisierungsmarke 1991. [33]

Hier liegt der zentrale Dissens in der Geschichtsdeutung und Geschichtspolitik von Nationalkonservativen und Postkommunisten. Nimmt sich dessen inhaltlicher Kern – zumindest in der Außensicht – als nur mässig konfliktträchtig aus, so deuten dessen institutionellen Aspekte auf den Grad der Schärfe des Konflikts hin. Das geschichtspolitische Bollwerk der Tito-Ära, das Instituts für Nationalgeschichte, wird weiterhin von den Postkommunisten kontrolliert, doch im Gegenzug haben die newcomers andere Institutionen historischer Forschung, darunter das Staatsarchiv (Arhiv na Makedonija) zu ihrer eigenen Bastionen ausbauen können. [34] Dem derzeitigen Direktor Zoran Todorovski und seinem Vorgänger Kiro Dojčinovski, beides professionelle Historiker sowie VMRO-DPMNE-Sympathisanten [35] , ist es dabei gelungen, arrivierte Fachvertreter sowohl von der Kyrill-und-Methodius-Universität Skopje als auch vom Institut für Nationalgeschichte einzubinden, unter ihnen auch Ivan Katardžiev. [36] Desgleichen hat dieses nationalkonservative Lager nahezu ein Monopol beim Verfassen historischer Lehrwerke für den Schulgebrauch – ein Umstand, der deren rasche Entideologisierung im parteikommunistischen Sinne samt Umdeutung in nationaler Funktion erklärt. [37]

Angesichts der generationellen Schichtung der makedonischen Historikerschaft mit ihrem sehr hohen Durchschnittsalter, vor allem aber aufgrund der dramatischen ethnopolitischen Polarisierung im Lande im Zuge des militärischen Konflikts im Jahr 2001, ist es unwahrscheinlich, daß der Pluralisierung der makedonischen Geschichtswissenschaft deren Internationalisierung und Professionalisierung folgen wird. Richtig ist aber sicher, daß die Tabus der Periode 1944-1991, also die pflichtgemäße proserbische Ausrichtung bei „sozialistischer“ Grundorientierung und die nicht minder obligate antibulgarische Stoßrichtung, mittlerweile gefallen sind. [38] Der prinzipielle Konsens über Anciennität, Kontinuität und damit Dignität der makedonischen Nation indes, also der Primat des nationalgeschichtlichen Paradigmas, ist hingegen nur in allerersten Ansätzen in Frage gestellt. Vor allem die ideologischen Prämissen der Tito- und Post-Tito-Zeit wurden relativ rasch über Bord geworfen. So wurden in diejenigen Teile der „Meistererzählung“, welche die makedonischen politischen Organisationen der Zeit vor 1944 und ihren Kampf gegen die Teilungsmächte Jugoslawien und Griechenland, eingeschränkt auch Bulgarien, zum Inhalt hatten, Strömungen und Personen miteinbezogen, die bis dahin aus Gründen der parteikommunistischen Ideologie tabu waren. Dies gilt etwa für Figuren wie Boris Sarafov, einen der Hauptakteure des Ilinden-Aufstandes von 1903, der bislang aufgrund des Verdachts der „Bulgarophilie“ aus dem nationalen Pantheon verbannt war [39] , für Todor Aleksandrov, der von 1919 bis zu seiner Ermordung 1924 dem Zentralkomitee der VMRO vorstand und diese auf prosowjetischen Kurs brachte [40] , für Alesandrovs antikommunistischen Nachfolger Ivan Mihajlov, 1924 bis 1934 und danach Führer des rechten Flügels der VMRO [41] , für den nicht- bzw. antikommunistischen Partisanenführer Metodija Andonov-Čento [42] , den national-kommunistischen Dissidenten Panko Brašnarov [43] , den 1941 ins bulgarisch besetzte Skopje beorderten bulgarischen Parteifunktionär Metodija Šatorov-Šarlo [44] und den makedonischen Nationalrevolutionär sowie späteren NKVD-Mann Pavel Šatev. [45] Ein ebenso früher wie programmatischer Beleg für diesen Perspektivwechsel war 1993, dem Jahr des 100. Jahrestags der VMRO-Gründung, ein von der damals in der Opposition befindlichen VMRO-DPMNE gleichsam als Gegenentwurf zu den aus Anlaß des Jubiläums publizierten postkommunistischen Gesamtdarstellungen und Sammelbänden vorgelegter Abriß mit dem Titel „Goldenes Buch ‚100 Jahre VMRO‘“, an welchem neben dem VMRO-DPMNE-Vorsitzenden Ljupčo Georgievski sechs Fachhistoriker, darunter auch einer aus dem Institut für Nationalgeschichte, beteiligt waren. [46]

Ebenfalls kein Tabu mehr, doch weiterhin ein „weißer Fleck“ ist die Geschichte der jugoslawischen Teilrepublik Makedonien. Die einzigen Publikationen mit Neuheitsgehalt hierzu stammen nicht aus der Feder von Historikern, sondern aus derjenigen von Parteifunktionären, Politikern, Militärs, Juristen, Journalisten u. a. [47] Ausnahmen von dieser Regel stellen die beiden investigativsten und kritischsten Historiker am Institut für Nationalgeschichte dar, nämlich Novica Veljanovski – zur Zeit Direktor des Instituts - sowie Violeta Ačkoska, die beide zur Periode 1944-1953 arbeiten [48] , sich aber auch zur Nachkriegsgeschichte insgesamt geäußert haben. [49]

Eine gravierende Abweichung weist die makedonische „Meistererzählung“ der Gegenwart im Vergleich zu derjenigen vor 1991 allerdings auf: ihren Beginn. Die parteikommunistische Nationalgeschichtsschreibung hatte die Anfänge des „makedonischen Volkes“ anfänglich mit der Formierungsphase einer „makedonischen Nation“ gleichgesetzt und diese in marxistisch-leninistischer Manier auf den Beginn der Protoindustrialisierung im Balkanraum – also auf die Mitte des 19. Jahrhunderts – datiert. Dies wurde bereits in den fünfziger Jahren dahingehend korrigiert, daß das Ohrider Reich Zar Samuils im 11. Jahrhundert den Anfang der „Geschichte des makedonischen Volkes“ bildete – ein Datum, das unter Verweis auf die Völkerwanderung und die Ankunft der Slaven auf dem Balkan in der Folgezeit auf das 6. Jahrhundert vorgezogen wurde. [50] Bezüglich der zu jugoslawischer Zeit politisch bedingten Fixierung auf das „Slaventum“ der Makedonier bewirkte das Jahr 1991 einen Perspektivwechsel: „Makedonisch“ im modernen Sinne wurde nun nicht mit „slavisch“ gleichgesetzt, sondern auf seine „antiken Wurzeln“ zurückgeführt. Philipp II., Herrscher über den makedonischen Staat des 4. Jahrhundert v. Chr., und sein Sohn Alexander (der Große), wurden jetzt als Nationalheroen porträtiert, eine politische Kontinuität von 27 Jahrhunderten postuliert, gar eine genuin makedonische, d. h. nicht-slavische, ethnische Linie von den Makedonen der Antike auf die Makedonier der Gegenwart konstruiert. Was in der ersten Hälfte der neunziger Jahre noch als fixe Idee von Hobbyhistorikern wie dem illustren Politiker Vasil Tupurkovski galt [51] , gehört mittlerweile zum Kanon der Nationalgeschichtsschreibung. Das im Jahr 2000 vom Institut für Nationalgeschichte veröffentlichte autoritative „Makedonische historische Wörterbuch“ etwa postuliert historische Kontinuität zwischen dem antiken und dem modernen Makedonien, gar ethnische Kontinuität zwischen ihren jeweiligen Bewohnern:

„Nach der Ankunft der Slaven in Makedonien (VI.-VII. Jh.) integrierten sich die hellenisierten und romanisierten Nachkommen der a[ntiken] M[akedonier] zum größten Teil in die slavische Masse und leisteten auf diese Weise ihren Beitrag zur Formierung des neuen Ethnos auf makedonischer Basis, in der das slavische Element (Sprache, Gebräuche) und die christliche Kultur die dominierende Rolle spielten.“ [52]

Zugleich führt dieses Nachschlagewerk in krasser Form die Exklusion der nicht-makedonischen (im ethnischen Sinne) Anteile der Geschichte Makedoniens aus dem nationalen Geschichtsbild vor Augen. So kommen die im Westen und Nordwesten des Landes die Mehrheit bildenden Albaner hier wenn überhaupt, dann als Hilfstruppen der italienischen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg oder als Träger eines großalbanisch-antimakedonischen Expansionsprogramms, ausnahmsweise auch als „gute Kommunisten“ im Partisanenkrieg vor. [53] Unter den 60 Autoren des Kompendiums findet sich daher nur ein einziger albanischsprachiger Historiker aus Makedonien. [54]

Sowohl die Inkorporierung der Antike in die historische „Meistererzählung“ als auch das Ausblenden ihrer albanischen Anteile sind innerhalb des mainstream makedonischer Geschichtswissenschaft durchaus konsensfähig. Dies gilt jedoch nicht für eine neu entstandene Diskussion über den bis vor kurzem strikt tabuisierten bulgarischen Aspekt der Geschichte und Kultur Makedoniens, der selbst die Regierungspartei VMRO-DPMNE in „Bulgarophile“ und „Makedonisten“ spaltet. [55] Hier zeichnet sich ein ebenso erbitterter wie politisch brisanter Kampf um die Vergangenheit zwischen einer Neuauflage der „alten“, bulgarischen „Meistererzählung“ makedonischer Geschichte und ihrer „neuen“, makedonischen Variante ab. Die potentiellen Wirkungen eines Infragestellens jenes „anti-Bulgarian or de-Bulgarizing aspect of Macedonian culture“, den Stephen E. Palmer und Robert R. King 1971 als zentrales Ingredienz jugoslawischer Geschichtspolitik von den vierziger Jahren an ausgemacht haben [56] , haben alle politischen Akteure und Geschichtsproduzenten in Skopje bis vor kurzem für so gefährlich gehalten, daß man diese Büchse der Pandora mit aller Gewalt verschlossen hielt. Dies hat sich jedoch von 1999 an deutlich geändert. So hat Mladen Srbinovski, der Direktor der Volks- und Universitätsbibliothek in Skopje, den „bulgarischen Charakter“ des „ersten Ilinden“ von 1903 positiv, den „antibulgarisch, serbomanen“ des „zweiten“ von 1944 hingegen negativ hervorgehoben, gar den Makedonismus als „Kitsch“ bezeichnet. [57] Im Oktober 2000 nahmen Abgeordnete der VMRO-DPMNE an einem Gedenkgottesdienst für den VMRO-Selbstmordattentäter Vlado Černozemski teil, der 1934 in Marseille im Auftrag Mihajlovs und seiner sich ethnonational als bulgarisch definierenden VMRO den jugoslawischen König Aleksandar I. Karadjordjević und den französischen Außenminister Louis Barthou ermordet hatte. [58] Und im Januar 2002 wurde ebenfalls von VMRO-DPMNE-Mitglieder im Stadtzentrum von Skopje eine Gedenktafel für Mara Buneva, eine weitere VMRO-Selbstmordattentäterin, die 1928 in im damals serbischen Skoplje einen hochrangigen Belgrader Beamten erschoss, enthüllt. [59] Dieser neue probulgarische Strang makedonischer Geschichtspolitik läuft der raison d’être des seit 1944 betriebenen makedonischen nation-building „von oben“ diametral zuwider. Diese dadurch bewirkte ethnopolitische Polarisierung hat überdies einen historisierenden Reflex dahingehend, daß jetzt neben der bislang verpönten bulgarischen Option auch eine andere Option der erfolgreich verdrängten Vergangenheit, nämlich die serbische, wieder salonfähig zu werden beginnt. Der Sprachhistoriker Christian Voss geht daher soweit zu vermuten, daß innerhalb der „Neupositionierung makedonischer Identität die akademische Elite Skopjes in ein proserbisches und ein probulgarisches Lager gespalten ist.“ [60] Sollte also eines Tags gemäß Bitoskis zitiertem worst case scenario „das makedonische Volk zur Minderheit werden und damit seine Staatlichkeit verlieren“, dann dürften die Urheber nicht die albanischen, sondern vielmehr die neu-alten bulgarischen und serbischen Makedonier sein.

Der hohe Politisierungsgrad der makedonischen Geschichtswissenschaft, der vor der Staatsgründung 1991 nachgerade sprichwörtlich war, ist also seitdem mitnichten gesunken, sondern im Gegenteil weiter angestiegen. Die Pluralisierung des politischen Systems und der Medienlandschaft in den neunziger Jahren haben den Historikern Makedoniens neue Möglichkeiten eröffnet und ihnen vielfältige neue Impulse gegeben. Was allerdings die Internationalisierung der makedonischen Historiographie betrifft, so behindert nationale Nabelschau in Kombination mit defizitären Fremdsprachenkenntnissen weiterhin die Rezeption außermakedonischer Literatur zur Geschichte Südosteuropas im allgemeinen und derjenigen Makedoniens im besonderen. Internationale Vernetzung findet folglich kaum statt, und auch die in der Post-Tito-Ära einsetzende Professionalisierung der Historiker in Skopje hat nach 1991 keine weitere Beschleunigung erfahren. Dennoch gibt es etliche Hoffnungsschimmer: 1998 hat das Institut für Nationalgeschichte sein fünfzigjähriges Jubiläum mit einem Symposium begangen, das den Titel „Die makedonische Geschichtswissenschaft – Errungenschaften und Probleme“ trug. Der mittlerweile veröffentlichte Tagungsband enthält 43 Beiträge, darunter nicht weniger als drei (selbst)kritische über die so typisch makedonische Symbiose von Politik und Historiographie vor und nach 1991. [61] Der Band enthält außerdem sieben Kontributionen von ausländischen Historikern, darunter drei aus Serbien und je einer aus Bulgarien, der Türkei, der Tschechischen Republik und Deutschland. Es findet sich allerdings kein Beitrag eines Griechen oder Albaners darin, geschweige denn einer eines albanischsprachigen Makedoniers. Der Geschichtswissenschaft der krisengeschüttelten Minirepublik steht also noch ein weiter Weg von der „Geschichte des makedonischen Volkes“ hin zu einer „Geschichte Makedoniens“ bevor. Eine Abbiegung in Richtung einer „Geschichte der makedonischen Bulgaren“ ist dabei mittlerweile ebenso wenig auszuschließen wie eine in Richtung einer „Geschichte Südserbiens“.


Footnotes

* Vortrag auf der internationalen Konferenz „Ein Jahrzehnt postkommunistischer Historiographie: Die Aufarbeitung der Vergangenheit in den 90er Jahren“ des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts, des Instituts für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien und der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien vom 27. bis 29. September 2001. – Der Verfasser dankt Nada Boškovska-Leimgruber (Zürich), Ulrich Büchsenschütz (Berlin), Christian Voss (Freiburg/Br.) und Heinz Willemsen (Bochum) für Materialien, Hinweise und Kritik.

[1] Ivo Banac, [Historiography of the Countries of Eastern Europe:] Yugoslavia. In: American Historical Review 97 (1992) 1085-1104. - Zum Begriff der historischen „Meistererzählung“ vgl. Matthias Middell, Monika Gibas, Frank Hadler, Sinnstiftung und Systemlegitimation durch historisches Erzählen: Überlegungen zu Funktionsmechanismen von Repräsentationen des Vergangenen. In: Zugänge zu historischen Meistererzählungen, ed. Matthias Middell, Monika Gibas, Frank Hadler (Leipzig 2000) 7-36 (= Comparativ 10 [2000], 2).

[2] Wolfgang Höpken, Zwischen „Klasse“ und „Nation“: Historiographie und ihre „Meistererzählungen“ in Südosteuropa in der Zeit des Sozialismus (1944-1990). In: Jahrbücher für Geschichte und Kultur Südosteuropas 2 (2000) 15-60, hier 55.

[3] Stephen E. Palmer, Robert R. King, Yugoslav Communism and the Macedonian Question (Hamden 1971); Othmar Nikola Haberl, Parteiorganisation und nationale Frage in Jugoslawien (Berlin 1976) 29-33. Siehe demnächst auch das Makedonien-Kapitel in dem Sammelband Yugoslavism: Histories of a Failed Idea, 1918-1992, ed. Dejan Djokic (London – im Erscheinen).

[4] Keith S. Brown, Of Meaning and Memories: The National Imagination in Macedonia (Ph. D. Thesis, Department of Anthropology, University of Chicago 1995) 5-6. Eine Buchfassung erscheint demnächst unter dem Titel The Past in Question: Modern Macedonia and the Uncertainties of Nation (Princeton, NJ, 2002).

[5] Petra Bock, Edgar Wolfrum, Einleitung, In: Umkämpfte Vergangenheit. Geschichtsbilder, Erinnerung und Vergangenheitspolitik im internationalen Vergleich, ed. Petra Bock, Edgar Wolfrum (Göttingen 1999) 7-14, hier 9. Siehe auch Beate Binder, Wolfgang Kaschuba, Peter Niedermüller, „Geschichtspolitik“: Zur Aktualität nationaler Identitätsdiskurse in Europäischen Gesellschaften. In: Gesellschaften im Vergleich. Forschungen aus Sozial- und Geschichtswissenschaft, ed. Hartmut Kaelble, Jürgen Schreiner (Frankfurt/M. 1998) 465-508.

[6] David D. Laitin, Identity in Formation. The Russian-Speaking Populations in the Near Abroad (Ithaca, London 1998) 11. Siehe auch Miroslav Hroch, Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas. Eine vergleichende Analyse zur gesellschaftlichen Schichtung der patriotischen Gruppen (Prag 1968); Ders., Social Preconditions of National Revival in Europe. A Comparative Analysis of Patriotic Groups Among the Smaller European Nations (Cambridge 1985; 2. Aufl. New York 2000); Ernest Gellner, Nations and Nationalism (Ithaca 1983); The State of the Nation. Ernest Gellner and the Theory of Nationalism, ed. John A. Hall (Cambridge 1998); Benedict Anderson, Imagined Communities. Reflections on the Origins and Spread of Natonalism (London, New York 1983; revised edition 1991). - Selbst Lutz Niethammer, der wohl schärftste Kritiker jeglicher Art von Annahmen über die Nachweisbarkeit „kollektiver Identität“ – in seinen Worten eine die „Irgendwie-Molluskel“ bzw. ein „universales Schein-Konzept“ –, hat in einer Diskussion im Rahmen des Wissenschaftlichen Kolloquiums des Sonderforschungsbereichs 417 (Regionenbezogene Identifikationsprozesse. Das Beispiel Sachsen) an der Universität Leipzig am 26. April 2001 eingeräumt, daß die Nationalbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts durchaus aus Ausdruck von Wir-Gruppenbewußtsein gewertet werden können. Siehe Lutz Niethammer unter Mitarbeit von Axel Doßmann, Kollektive Identität. Heimliche Quellen einer unheimlichen Konjunktur (Reinbek bei Hamburg 2000).

[7] Mathias Bernath, Das mazedonische Problem in der Sicht der komparativen Nationalismusforschung. In: Südost-Forschungen 29 (1970) 237-248; George D. Matzureff, The Concept of a „Macedonian Nation“ as a New Dimension in Balkan Politics (Ph. D. Thesis, Washington 1978); Stefan Troebst, Makedonische Antworten auf die „Makedonische Frage“ 1944-1992: Nationalismus, Republiksgründung und nation-buil­ding in Makedonien. In: Südosteuropa 41 (1992) 423-442; Ders., Yugoslav Macedonia, 1943-1953: Building the Party, the State and the Nation. In: State-Society Relations in Yugoslavia, 1945-1992, ed. Melissa K. Bokovoy, Jill A. Irvine, Carol S. Lilly (New York 1997) 243-266; und Hugh Poulton, Who Are the Macedonians? (London 2. Aufl. 2000).

[8] Keith S. Brown, Contests of Heritage and the Politics of Preservation in the FYROM. In: Archeology under Fire. Nationalism, Politics and Heritage in the Eastern Mediterranean and Middle East, ed. Lynn M. Meskell (London 1998) 68-86.

[9] Vgl. Die Interdependenz von Geschichte und Politik in Osteuropa seit 1945. Historiker-Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e. V., Berlin, vom 9.-11. 6. 1976 in Bad Wiessee. Protokoll, ed. Günther Stökl. Vervielfältigtes Ms. (Stuttgart 1977), sowie Günther Stökl, Schlußbericht über das Forschungsprojekt „Die Interdependenz von Historiographie und Politik in Osteuropa“. Köln, 6. Januar 1983. In: Archiv der VolkswagenStiftung, Hannover.

[10] Stefan Troebst, Die bulgarisch-jugoslawische Kontroverse um Makedonien 1967-1982 (München 1983) 241. Zu einer makedonischen Fassung vgl. Ders., Bugarsko-jugoslovenskata kontroverza za Makedonija 1967-1982. Übersetzung Slobodanka Popovska (Skopje 1997).

[11] Zum Mehrheitsnationalismus in Makedonien vgl. Heinz Willemsen, Stefan Troebst, Transformationskurs gehalten. Zehn Jahre Republik Makedonien. In: Osteuropa 51 (2001) 299-315; Magarditsch Hatschikjan, Reparierte Nationen, separierte Gesellschaften. Makedonien und seine neue große Frage. Ebd., 316-330; Keith Brown, In the Realm of the Double-Headed Eagle: Parapolitics in Macedonia 1994-9. In: Macedonia. The Politics of Identity and Difference, ed. Jane K. Cowan (London, Sterling 2000) 123-139.

[12] Verfassung der Republik Makedonien [1991]. Übersetzung Valentin Stojanovski, Barbara Utevska (Skopje 1992) 3. Zur Verfassungsänderung von 2001 siehe Ulrich Büchsenschütz, Die Verfassung der Republik Makedonien auf dem Prüfstand. In: Südosteuropa 50 (2001) 134-149, und Ulf Brunnbauer, Doch ein historischer Kompromiß? Perspektiven und Probleme der Verfassungsreform in Makedonien, ebd., 346-367.

[13] Vgl. dazu Bernard Lory, Approches de l’identité macédonienne. In: La République de Macédoine. Nouvelle venue dans le concert européen, ed. Bernard Lory, Christophe Chiclet (Paris, Montreal 1998) 13-32; Feroze A. K. Yasamee, Nationality in the Balkans. The Case of the Macedonians. In: Balkans. A Mirror of the New International Order, ed. Günay Göksu Özdoğan, Kemâli Saybaşılı (Istanbul 1995) 121-132; Fikret Adanır, The Macedonians in the Ottoman Empire, 1878-1912. In: The Formation of National Elites, ed. Andreas Kappeler (Aldershot, New York 1992) 161-191.

[14] „I used to think that the profession of history, unlike that of, say, nuclear physics, could at least do no harm. Now I know it can. Our studies can turn into bomb factories like the workshops in which the IRA has learned to transform chemical fertiliser into an explosive.“ So Eric Hobsbawm, The New Threat of History. In: New York Review of Books 40 (1993), 21 (16. Dezember) 62-64, hier 63.

[15] Istoriografija na Makedonija. Bd. IV: 1986-1995, ed. Aleksandar Trajanovski (Skopje 1997). Siehe auch demnächst G’org‘i Stojčevski, Die Historiographie Makedoniens in den 90er Jahren. In: Österreichische Osthefte 44 (2002).

[16] Stefan Troebst, IMRO + 100 = FYROM? Kontinuitäten und Brüche in den makedonischen Nationalbewegungen in historiographischer Perspektive. In: Österreichische Osthefte 40 (1998) 217-234. Zu einer makedonischen Übersetzung dieses Aufsatzes durch Ivanka Solomonova siehe Ders., VMRO + 100 = PJRM? Politikata na makedonskata istoriografija. In: Makedonskata istoriska nauka – dostignuvanja i problemi. Prilozi od naučniot sobir održano vo Skopje na 17-19 noemvri 1998 godina po povod 50-godišninata od rabotata na Institutot za nacionalna istorija, ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje 2001) 123-140.

[17] Zu einer legislativen Parallelaktion vgl. das Gesetz über die Staatsangehörigkeit der Republik Makedonien von 1992 - Zakon za državjanstvo na Republika Makedonija. In: Služben vesnik na Republika Makedonija Nr. 67 vom 3. November 1992, 1245-1248 -, demzufolge die Staatsbürgerschaft nicht per „Nulllösung“ der gesamten Wohnbevölkerung verliehen, sondern nur solchen Personen zugestanden wurde, die entweder auf dem Territorium des neuen Staates geboren sind oder mindestens 15 Jahre dort ihren ersten Wohnsitz hatten. Ca. 150.000 Personen, d. h. fast acht Prozent der Wohnbevölkerung, erfüllten dieses Kriterium damals nicht.

[18] Katerina Naumoska, Albanci ili šiptari vo makedonskata istoriografija i učebnicite po istorija. In: Aktuelni problemi vo makedonskata istoriografija i nastava po istorija, ed. Sojuz na Društvata na istoričarite na Republika Makedonija (Skopje 1996) 81-85.

[19] Zu dieser bereits 1948 gegründeten Institution, der 1963 die Historische Abteilung des Zentralkomitees des Bundes der Kommunisten Makedoniens angegliedert wurde, vgl. 50 godini Institut za nacionalna istorija 1948-1998, ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje 1998), sowie Gunnar Hering, Mazedonische Geschichtswissenschaft. In: Österreichische Osthefte 1 (1959), 2, 104-110; G’org’i Abadžiev, Bericht über die Tätigkeit des „Instituts für nationale Geschichte“ in Skopje. In: Südost-Forschungen 14 (1955) 457-459; Rudolf Preinerstorfer, Das Institut für nationale Geschichte in Skopje. In: Südost-Forschungen 23 (1964) 342-345; Jutta de Jong, Das „Institut za nacionalna istorija“ in Skopje – ein weiterer Zwischenbericht. In: Südost-Forschungen 37 (1978) 204-205; Troebst, Kontroverse, 43-66; und Keith S. Brown, A Rising to Count On: Ilinden Between Politics and History in Post-Yugoslav Macedonia. In: The Macedonian Question: Culture, Historiography, Politics, ed. Victor Roudometof (Boulder, New York 2000) 143-171.

[20] Krste Bitoski, Etničkite promeni vo Republika Makedonija po osloboduvanjeto 1944 godina. In: Makedonskata istoriska nauka 437-441, hier 437-438.

[21] Ebd. 441.

[22] Siehe dazu Ulrich Büchsenschütz, Die Mazedonien-Krise (Bonn 2001) (= Politikinformation Osteuropa der Friedrich-Ebert-Stiftung, Heft 95); und Stefan Troebst, Vom interethnischen Schlachtfeld zum ethnopolitischen Stabilitätspol: Gewalt und Gewaltfreiheit in der Region Makedonien im 20. Jahrhundert. In: Nationalitätenkonflikte im 20. Jahrhundert. Ursachen von inter-ethnischer Gewalt im Vergleich, ed. Philipp Ther, Holm Sundhaussen (Wiesbaden 2001) 35-55, hier 48-51.

[23] Zu Katardžiev siehe seine unmittelbar nach der „Wende“ veröffentlichten kritischen Bestandsaufnahmen makedonischer Nationalgeschichtsschreibung: Ivan Katardžiev, Politika i istorija – istorija i politika. In: Istorija 23 (1987 [1991]) , 1-2, 9-29, und Ders., Makedonskite političkite sili i istoriskoto nasledstvo na makedonskiot narod. In: Istorija 26 (1990-1991 [1992]), 1-4, 7-28, Vgl. auch seine neuesten synthetisierenden Hervorbringungen: Ivan Katardžiev, Makedonija i makedoncite vo svetot (Skopje 1996); Ders., Sosedite na Makedonija – včera, denes, utre (Skopje 1998); und Ders., Makedonija sproti Vtorata svetska vojna (Letopis za politikata na denacionalizacija na makedonskiot narod) (Skopje 1999). Auch Ristovski hat unlängst zwei Synthesen seines gewaltigen Oeuvres vorgelegt: Blaže Ristovski, Macedonia and the Macedonian People (Wien, Skopje 1999), und Ders. Istorija na makedonskiot narod (Skopje 1999). Weiterführende bibliographische Hinweise zu beiden Historikerpersönlichkeiten bei Troebst, IMRO + 100 = FYROM.

[24] Zu Katardžievs Gleichsetzung der Forderungen albanischsprachiger Makedonier nach Gleichberechtigung und politischer Partizipation mit einem „großalbanischen“ Programm siehe die deutsche Übersetzung eines Interviews in der Skopjoter Zeitschrift Start Nr. 116 vom 13. April 2001 bei Büchsenschütz, Die Verfassung, 143-146. Ristovski glaubte ausgerechnet die Tagung „Interethnic Coexistence and Dialogue in the Western Balkan Region. Part I: Macedonia“ der Münchner Südosteuropa-Gesellschaft in Ohrid im Mai 2001 dazu nutzen zu müssen, um die nicht-makedonischen Teilnehmer vor der „afrikanischen Natalität“ der albanischsprachigen Makedonier zu warnen. Zu einem Tagungsbericht vgl. URL http://www.suedosteuropa-gesellschaft.com/index.cfm?page=aktuell.

[25] Istorija na makedonskiot narod, ed. Institut za nacionalna istorija. 3 Bde. (Skopje 1969). Zur „Urfassung“ aus dem Jahr 1949, in deren Titel noch von der „makedonischen Geschichte“ die Rede war, vgl. Kratok pregled na makedonskata istorija (Skopje 1949). Wesentlich prägender als dieses Lehrbuch war in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre allerdings die bezeichnend betitelte Propagandaschrift von Kiril Nikolov, Za makedonskata nacija (Skopje 1948).

[26] Istorija na makedonskiot narod, ed. Institut za nacionalna istorija. 6 Bde. (Skopje 1998 ff.). Erschienen sind bislang Bd. 1: Makedonija od praistoriskoto vreme do potpag’anjeto pod turska vlast (1371 godina), ed. Branko Panov (Skopje 2000); Bd. 2: Makedonija pod turska vlast (od XIV do krajot na XVII vek), ed. Aleksandar Stojanovski (Skopje 1998), und Bd. 4: Ivan Katardžiev, Makedonija meg’u Balkanskite i Vtorata svetska vojna (1912-1941) (Skopje 2000).

[27] James Krapfl, The Ideals of Ilinden: Uses of Memory and Nationalism in Socialist Macedonia. In: State and Nation Building in East Central Europe: Contemporary Perspectives, ed. John S. Micgiel (New York 1996) 297-316; Brown, A Rising to Count On, passim. Entsprechend findet ein nahezu paralleler Versuch der Gründung eines makedonischen Staates durch Adolf Hitler in den ersten Septembertagen 1944 in der Skopjoter Historiographie kaum Berücksichtigung. Vgl. zu einer Ausnahme Marjan Dimitrijevski, Obidot na Vančo Mihajlov za sozdavanje na „Nezavisna Makedonija“ 1944 godina. In: Makedonskata istoriska nauka, 309-329, sowie demnächst Stefan Troebst, „Führerbefehl!“ - Adolf Hitler und die Proklamation eines unabhängigen Makedonien (September 1944). Eine archivalische Miszelle. In: Osteuropa 52 (2002), H. 4.

[28] Die Kontinuität in der Bewertung der ASNOM-Beschlüsse belegt ein Vergleich des autoritativen Tagungsbandes zum 50. ASNOM-Jahrestag mit denjenigen zum 40., 30. und 20., die in die jugoslawische Periode fielen: ASNOM – petdeset godini makedonska država 1944-1994. Prilozi od naučen sobir održan na 17-18 noemvri 1994, ed. Makedonska akademija na naukite i umetnostite, Institut za nacionalna istorija (Skopje 1995); ASNOM vo sozdavanjeto na državata na makedonskiot narod. Referati od naučen sobir održan od 29 do 31 oktomvri 1984 godina vo Skopje, ed. Makedonska akademija na naukite i umetnostite (Skopje 1987); ASNOM – ostvaruvanje na ideite za sozdavanje na makedonskata država i negoviot meg’unaroden odglas i odraz. Simpozium posveten na 30-godišninata od ASNOM. Skopje, 23-25 oktomvri 1974 godina, ed. Makedonska akademija na naukite i umetnostite (Skopje 1977); Razvitokot na državnosta na makedonskiot narod. Materijali od Simpoziumot po povod 20-godišninata od Prvoto zasedanie na ASNOM održan na 23 i 24 oktomvri 1964 godina, ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje 1966). Aus Anlaß des 50. Jahrestages erschien überdies eine Faksimileausgabe der Protokolle des ASNOM-Präsidiums im Zeitraum 6. August 1944 – 28. Mai 1945. Vgl. The Presidium of ASNOM Minutes, ed. Institute of National History (Skopje 1994). Desgleichen wurde 1993 von der postkommunistischen Regierung Makedoniens beschlossen, die anläßlich des 40. Jahrestages vom Staatsarchiv begründete großangelegte Dokumentenedition ASNOM (Antifašističko sobranie na narodnoto osloboduvanje na Makedonija). Dokumenti, ed. Arhiv na Makedonija, als Gemeinschaftsunternehmen von Staatsarchiv und der mit Angelegenheiten der makedonischen Diaspora befaßten Regierungsbehörde „Matica makedonska“ fortzuführen. Bislang sind die Bände I,1 und I,2 (Skopje 1984), I,3 (Skopje 1987), I,4 und I,5 (Skopje 1994) sowie II,1 (Skopje 1995) erschienen.

[29] Keith S. Brown, Would the Real Nationalists Please Step Forward: Destructive Nationalism in Macedonia. In: Fieldwork Dilemmas: Anthropologists in Postsocialist States, ed. Hermine De Soto, Nora Dudwick (Madison 2000) 31-48.

[30] Klaus Schrameyer, Makedonien: Friedlichkeit, Maß und Vernunft – mit balkanischem Charme. In: Südosteuropa 46 (1997) 661-694, hier 665.

[31] Heinz Willemsem, Machtwechsel in der EJR Makedonien. In: Südosteuropa 48 (1999) 16-28.

[32] Zum „dritten Ilinden“ siehe pointiert Vladimir Čupeski, A‘ bre makedonče. Abecedar i pamfleti za naci-bolševizmot 1982-1990 (Skopje 1993) 33-36; und Brown, A Rising to Count On, 163. Der Unterschied zum „offiziellen“ Geschichtsbetrieb wird am Beispiel des Chronikbands aus Anlaß des fünfzigjahrigen Bestehens des Instituts für Nationalgeschichte im Jahr 1998 augenfällig: Hier wurde ausschließlich auf den „zweiten Ilinden“ Bezug genommen. Vgl. Novica Veljanovski, Approaching the Fiftieth Anniversary. In: 50 godini Institut za nacionalna istorija, 7-17, hier 7.

[33] Brown, A Rising to Count On, 165.

[34] Zum Archiv siehe dessen Homepage (URL http: //www.arhiv.gov.mk/Ang1.htm) . Hier findet sich ein Link zu einer Text-Bild-Fassung der nationalkonservativen Variante der „Meistererzählung“ makedonischer Geschichte mit dem Titel „Macedonia Through the Centuries“, welche Archivmitarbeiter unter Leitung von Slavica Nikolovska ursprünglich als Ausstellung zusammengestellt haben (URL http://www.soros.org.mk/archive/index.htm).

[35] Zum dezidiert revisionistischem Geschichtsbild des amtierenden Archivdirektors vgl. Zoran Todorovski, Dejnosta na desnite strui i na organizaciite. In: Aleksandar Trajanovski u. a., Zlatna kniga 100 godini VMRO (Skopje 1993) 152-192; Ders., Vnatrešnata Makedonska Revolucionerna Organizacija 1924-1934 (Skopje 1997); und Ders., Makedonskata istoriografija i politikata (aktuelni refleksii vo makedonskiot pluralistički sistem). In: Makedonskata istoriska nauka, 505-517. Zur nicht minder revisionistischen Weltsicht von Todorovskis Amtsvorgänger vgl. Kiro Dojčinovski, Makedonija niz vekovete (Skopje 1995).

[36] Siehe die „antijugoslawische“ Memoirenedition von Gligor Krsteski, Otpori i progoni 1946-1950 (Skopje 1994), sowie zwei „revisionistische“ Quelleneditionen: Nastani na Skopskoto Kale na 7 januari 1945 godina. Dokumenti, ed. Arhiv na Makedonija, Institut za nacionalna istorija, Matica makedonska (Skopje 1997), und Italijanski diplomatski dokumenti za Makedonija. Tom 1, kniga 1: 1918-1924, ed. Ivan Katardžiev, Alenka Lape (Skopje 2001).

[37] Siehe dazu Evangelos Kofos, The Vision of „Greater Macedonia“. Remarks on FYROM’s new school textbooks (Thessaloniki 1994), sowie vor allem Sofia Vouri, War and National History. The Case of History Textbooks in the Former Yugoslav Republic of Macedonia (1991-1993). In: Öl ins Feuer? Schulbücher, ethnische Stereotypen und Gewalt in Südosteuropa, ed. Wolfgang Höpken (Hannover 1996) 179-214, hier 180-181. Unter den 27 hier genannten Autoren von Lehrwerken für den Geschichtsunterricht (212-213) befinden sich nur vier Mitarbeiter des Instituts für Nationalgeschichte – darunter zwei mit klarer VMRO-DPMNE-Orientierung. Zu kritischen Stellungnahmen bezüglich einer vorgeblich überproportionalen Berücksichtigung der Geschichte der albanischsprachigen Makedonier in den nach 1991 veröffentlichten Schulbüchern der Republik Makedonien siehe Ivan Katardžiev, Aktuelni problemi na makedonskata istoriografija. In: Aktuelni problemi, 7-11, hier 10, sowie Naumoska, Albanci ili šiptari.

[38] Christian Voss, Sprach- und Geschichtsrevision in Makedonien. Zur Dekonstruktion von Blaže Koneski. In: Osteuropa 51 (2001) 953-967.

[39] Brown, A Rising to Count On, 155-160.

[40] Vgl. die – weitgehend hagiographischen – Darstellungen von Dimitar Galev, Todor Aleksandrov od avtonomija do samostojna država (Skopje 1995), und Branislav Sinadinovski, Todor Aleksandrov (Sveti Nikole 1995).

[41] Ivan Katardžiev, Predgovor. In: Ivan Mihajlov, Po trnliviot pat na makedonskoto osloboditelno delo, ed. Ivan Katardžiev (Skopje 2001) 5-20 (makedonische Übersetzung von „Bregalniški“ [= Ivan Michajlov], Po trŭnlivija pŭt na makedonskoto osvoboditelno delo [O. O. 1939]). Siehe auch Katardžiev, Makedonija sproti Vtorata svetska vojna; Ders., Makedonija meg’u Balkanskite i Vtorata svetska vojna; sowie bereits Ders., Vreme na zreenje. Makedonskoto nacionalno pra­šanje meg‘u dvete svetski vojni (1919-1930). 2 Bde. (Skopje 1977).

[42] Fidanka Tanaskova, Metodija Andonov Čento (Skopje 1990); Čento – čovek, revolucioner, državnik. Zbornik na materijali od Trkaleznata masa održana na 26. 11. 1991 godina vo Prilep, ed. Orde Ivanoski (Prilep 1993); Blaže Ristovski, Čento i čentovizmot vo istorijata i vo sovremenosta. In: Sovremenost 43 (1993), 5-6, 167-175.

[43] V Naučen sobir „Panko Brašnarov – život i delo (1883-1951)“, ed. Vera Veskovik‘-Vangeli (Titov Veles 1992).

[44] Riste Bunteski-Bunte, Metodija Šatorov-Šarlo (Politički stavovi) (Prilep 1997).

[45] Pavel Šatev: vreme – život – delo (1882-1951), ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje 1996). Das Staatsarchiv hat ebenfalls einen Sammelband über Šatev angekündigt: Zbornik Pavel Šatev, ed. Arhiv na Makedonija (Skopje – im Erscheinen).

[46] Ljupčo Georgievski, VMRO-Demokratska partija za makedonsko nacionalno edinstvo (1990-1993), sledbenik na ideite na VMRO. In: Zlatna kniga 100 godini VMRO, 249-255. Zu den Jubiläumspublikationen der postkommunistischen Konkurrenz vgl. Sto godini od osnovanjeto na VMRO i 90 godini od Ilindenskoto vostanie. Prilozi od naučen sobir održan na 21-23 oktomvri 1993 g., ed. Makedonska akademija na naukite i umetnostite (Skopje 1994), und Ivan Katardžiev, Sto godini od formiranjeto na VMRO – sto godini revolucionerna tradicija (Skopje 1993).

[47] Radoslav Ognjanovski, Makedonija vo sedumdesettite godini (Skopje 1990); Slavko Milosavlevski, Strav od promeni. Krizata na političkiot sistem na Jugoslavija vo sedumdesette godini (Skopje 1991); Ilija Maksimovski, Političiot zatvorenik za Makedonija (Skopje 1991); Dimitar Mirčev, Dramata na pluralizacijata (Skopje 1991); Stojan Risteski, Sudeni za Makedonija (1945-1983) (Skopje 1993); Stavre Džikov, Makedonija vo komunističkiot triagolnik (Skopje 1993); Mitre Arsovski, Hronika na eden neminoven raspad (Skopje 1995); Ilija Maksimovski, Makedonija vo strategijata na pretsedatelot? (Skopje 1995); Grozdan Cvetkovski, Za što se borevme (Skopje 1995); Krste Crvenkovski, Slavko Milosavlevski, Našiot pogled za vremeto na Koliševski (Skopje 1996); Kole Mangov, Vo odbrana na makedonskiot nacionalen identitet (Skopje 1998); Nada Aleksoska, Smiljan Griovski – agentot na CIA (Skopje 1999); Jovan Pavlovski, Mišel Pavlovski, Včera i denes – Makedonija! Praktikum po istorija (Skopje 2000); Kiro Gligorov, Makedonija e se što imame (Skopje 2001).

[48] Novica Veljanovski, Administrativno-centralističkiot period vo državnopravniot razvoj na Makedonija (1945-1953) (Skopje 1992); Ders., Makedonija vo jugoslovensko-bugarskite odnosi 1944-1953 (Skopje 1998); Violeta Ačkoska, Zadrugarstvoto i agrarnata politika 1945-1955 godina; Dies., Zadolžitelniot otkup vo Makedonija 1945-1953 godina (Skopje 1995); Agrarnata reforma i kolonizacijata vo Makedonija 1944-1953. Dokumenti, ed. Violeta Ačkoska (Skopje 1997).

[49] Novica Veljanovski, Obid za periodizacijata na istoriskoto minato po Vtorata svetska vojna (1945-1991). In: Glasnik na Institutot za nacionalna istorija 42 (1998), 2, 7-26; Violeta Ačkoska, Mestoto i ulogata na vladite na Makedonija. Nekoi aspekti od nivnoto konstituiranje i rabota 1945-1995 godina. In: Glasnik na Institutot za nacionalna istorija 39 (1995), 1-2, 15-31.

[50] Sie dazu autoritativ die 1981 von der Fakultät für philosophisch-historische Wissenschaften der Kyrill-und-Methodius-Universität Skopje veröffentlichte Standardquellensammlung zu makedonischen Nationalgeschichte, deren erster Band den Zeitraum „Von der Ansiedlung der Slaven in Makedonien bis zum Ende des Ersten Weltkriegs“ abdeckte (Dokumenti za borbata na makedonskio narod za samostojnost i za nacionalna država. Bd. I: Od naseluvanjeto na slovenite vo Makedonija do krajot na Prvata svetska vojna, ed. Fakultet za filozofski-istoriski nauki na Univerzitetot „Kiril i Metodij“ [Skopje 1981]) sowie 1986 eine einbändige Synthese der Makedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste in russischer Übersetzung, deren erster Teil „Makedonien vom 4. bis 14. Jahrhundert“ behandelte (Makedonija i makedonskij narod. Istorija makedonskogo naroda, ed. Makedonska akademija na naukite i umetnostite [Skopje 1986] 5-64). Allerdings fand sich im ersten Band der dreiteiligen Gesamtdarstellung des Instituts für Nationalgeschichte aus dem Jahr 1969 ein Abschnitt über „Gründung und Entwicklung des antiken makedonischen Staates“ (Istorija na makedonskiot narod. Bd. I, 33-47).

[51] Vasil Tupurkovski, Istorija na Makedonija - Filip II (Skopje 1995).

[52] O. A., Antički Makedonci. In: Makedonski istoriski rečnik, ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje 2000) 39-40, hier 40. Vgl. auch Nade Proeva, Studii za antičkite Makedonci (Skopje 1997).

[53] Während die Lemmata „Albaner“ und „Albanisch“ u. a. fehlen, heißt es unter dem Stichwort „Großalbanien“: „Die Idee eines Großalbanien stellt auch heute die nachhaltige politische Orientierung der albanischen national-chauvinistischen Kreise dar.“ (O. A., Golema Albanija. In: Makedonski istoriski rečnik 131).

[54] Ebd. 6.

[55] So hat Ministerpräsident Georgievski 1996 die orthographische Form seines Vornamens von der makedonischen Variante „Ljupčo“ in die bulgarische Schreibweise „Ljubčo“ geändert.

[56] Palmer, King, Yugoslav Communism, 134.

[57] Mladen Srbinovski, Obedi ništožnost (Skopje 1999) 59.

[58] Bugarska propaganda u Makedonij. Počast atentatoru. In: Vreme vom 2. November 2000, 40. Zum Attentat selbst siehe Stephen Clissold, Murder in Marseille. Chapter 3: Marseille. In: The South Slav Journal 7 (1984), 1-2 (23-24) 18-26.

[59] Utrinski vesnik vom 14. Januar 2002. Die Gedenktafel wurde an der Stelle des Attentats angebracht, an der sich bereits in den Jahren der bulgarischen Besatzung Skopjes von 1941 bis 1944 eine ähnliche Tafel befunden hatte. – Zu Bunevas Tat und ihren Folgen siehe Stefan Troebst, Mussolini, Makedonien und die Mächte 1922-1930. Die „Innere Makedonische Revolutionäre Organisation“ in der Südosteuropapolitik des faschistischen Italien (Köln, Wien 1987) 279-288.

[60] Voss, Sprach- und Geschichtsrevision, 954.

[61] Violeta Ačkoska, Politikata i istoriografija 1944-1998. In: Makedonskata istoriska nauka, 487-503; Todorovski, Makedonskata istoriografija i politika; und Troebst, VMRO + 100 = PJRM?.