| Stefan Troebst
Leipzig
Geschichtspolitik und historische
„Meistererzählungen“
in Makedonien vor und nach 1991*
„In the 1990s, Macedonians speak a language codified
in 1946, spoken by less than two million people, and with a very
slender literature. They are members of an Orthodox Church whose
authority was established by a socialist political regime in 1968.
They are heirs to a 1903 revolution that until the 1940s was described
by almost all sources as being Bulgarian. They are descend[ants]
from people who were called, and at times called themselves, Serbs
or Bulgarians. They have no modern history of independent statehood;
the last period that they can claim as boasting a Macedonian regime
was in the 11th century. The Republic of Macedonia, established
by consensus authorized by a referendum, has no internationally
agreed name [...]. Yet its Slavic inhabitants have no doubt that
they are Macedonians, and that the territory they occupy has always
been and should always be occupied by Macedonians. The question
that baffles many Western observers is simple: how do these people
know who they are?“
[4]
Vorausgesetzt „sie“ wissen es wirklich, muß
eine von zwei zentralen Antwortkomponenten lauten: Weil „ihnen“
Historiker wie Politiker zunächst einer, dann unterschiedlicher
Couleur mittels lange Zeit staatlich kontrollierter, inzwischen
pluralisierter Transmissionsriemen wie Schule, Kirche, Armee, Medien,
kommunistische Partei u. a. diese Botschaft in Form einer historischen
„Meistererzählung“ vermittelt haben und weiter vermitteln.
Oder anders, nämlich in die Diktion der gleichfalls jungen
Forschungsrichtung der Analyse eliten- bzw. statsbetriebener „Geschichtspolitik“
gefaßt: Weil wir es hier mit einer erfolgreichen „öffentlichen
Konstruktion von Geschichts- und Identitätsbildern, die sich
[...] über Rituale und Diskurse vollziehen“, bzw. mit dem Versuch,
„über die Deutung historischer Ereignisse Identitäten
zu stiften“, zu tun haben.
[5]
Die zweite Antwortkomponente scheint der ersten
zu widersprechen: Ob die Makedonier mit Brown „wissen, wer sie sind“,
ist im Prinzip unerheblich - entscheidend ist, daß sie wissen,
wer sie nicht sein wollen, nämlich weder Bulgaren noch
Serben, und schon gar nicht Griechen oder Albaner. Ausschlaggebend
für diese explizit autochthone Option des „Nostrismus“ bzw.
našizam (von naš – „unser“) aber ist nicht nur
auf die Herstellung kollektiver Identität zielende regierungsamtliche
Erinnerungspolitik – von Keith Brown anhand der Konstruktion samt
Instrumentalisierung der sogenannten „Republik von Kruševo“
von 1903 beschrieben und analysiert -, sondern gerade auch rationales
Kalkül sicherheitspolitischer, sozialer und nicht zuletzt ökonomischer
Art. Makedonier, so könnte man sagen, deklarieren sich zumindest
bis heute deswegen als „Makedonier“, weil sie zum einen von der
Notwendigkeit wie Zweckmäßigkeit ethnonationaler Selbstzuordnung
überzeugt sind und ihnen zum anderen das Identifikationsmuster
„Makedonier“ seit 1944 als das attraktivste unter den zur Auswahl
stehenden dieser Muster erscheint. Daß angesichts des hohen
Konstruktanteils dieses Identifikationsmusters sowie mit Blick auf
die bis zur Jahrhundertmitte wirksamen konkurrierenden Identifikationsangebote
„Bulgare“ und „Serbe“ von Unumkehrbarkeit keine Rede sein kann,
versteht sich dabei von selbst.
Allerdings gestaltete sich in Makedonien der erst
1944 möglich gewordene Einsatz historischer „Meistererzählungen“
nationalgeschichtlicher Stoßrichtung deutlich schwieriger
als dies etwa bei der Formierung der Nachbarnationen von Griechen,
Serben, Bulgaren u. a. im 19. Jahrhundert der Fall gewesen war:
Der Fundus an historischen Ereignissen und Figuren war von diesen
Nachbarn gleichsam geplündert worden - der Nachzüglernation
blieben lediglich Reste. Die Folge war, daß man zum einen
Teile der „geraubten Geschichte“ zurückholte und zum anderen
die besagten Reste zum Fundament autochthoner Geschichte auszubauen
versuchte.
[8]
Dies resultierte in einer langen Phase des Experimentierens
und Revidierens, in deren Verlauf der Einfluss außerwissenschaftlicher
Instanzen ständig anstieg. Dieser ganz spezifische Politik-Historiographie-Nexus
in der Sozialistischen Republik Makedonien (SRM) innerhalb der Sozialistischen
Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) ist eingehend im Rahmen
des großangelegten Forschungsprojekts „Die Interdependenz
von Historiographie und Politik in Osteuropa“ behandelt worden,
welches Günther Stökl 1975 initiierte und das sich zum
Ziel setzte, neben Leistungen und Entwicklungstendenzen vor allem
die politische Funktion der Geschichtswissenschaft in den kommunistisch
regierten Staaten Europas von der Mitte der sechziger Jahre an zu
beleuchten. Im Mittelpunkt dieses Unternehmens stand dabei die „Produktion“
von Loyalität ideologischer wie nationaler Art.
[9]
Ergebnis der 1983 veröffentlichen Teilstudie zum Fall
Makedonien war, daß es sich hier im Wortsinne um Interdependenz,
also wechselseitige Beeinflussung von Politik und Geschichtswissenschaft
handelte, nicht etwa um eine bloße Befehlsempfängerrolle
der Historiker. Diese allerdings hatten für ihren beträchtlichen
politischen Einfluss den Preis wissenschaftlicher Erstarrung zu
entrichten. Entsprechend pessimistisch fiel das Resümee aus:
„Das Haupthindernis für eine methodische
Belebung der makedonischen Geschichtswissenschaft ist zweifellos
die [...] einzigartige Symbiose von politisch aktiven Teilzeithistorikern
und denjenigen Berufspolitikern, die sich aufgrund der spezifischen
Gegebenheiten der SRM intensiv der Konstruktion einer realpolitisch
‚operablen‘ Nationalgeschichte widmen. Dieser Grad an Interdependenz
von Historiographie und Politik hat selbst in Ost- und Südosteuropa
nicht seinesgleichen.“
[10]
Was damals auf die jugoslawische Teilrepublik
Makedonien gemünzt war, gilt zu großen Teilen auch für
die neue Republik Makedonien. Seitens der Titularnation des 1991
unabhängig gewordenen Balkanstaates und ihrer politischen Repräsentanten
wird „Geschichte“ als Argument für das Festhalten am Konzept
von Demokratie als ethnisch weitgehend geschlossener Veranstaltung
verwendet: Man habe nicht, so diese ethnozentrische Sicht der makedonischsprachigen
Mehrheit, „ein Jahrhundert lang“ um die Unabhängigkeit „gekämpft“,
um jetzt den eigenen Staat mit albanischen „Immigranten“ aus jugoslawischer
Zeit zu teilen!
[11]
Diese Reflexionsebene ist auch diejenige der ersten Verfassung
der neuen Republik Makedonien, deren (mittlerweile entschäfte)
Präambel das Land als „Nationalstaat des makedonischen Volkes“
definiert und dem übrigen Bevölkerungsdrittel, „den Albanern,
Türken, Walachen, Roma und anderen Minderheiten“, eben diesen
minderen Status zugewiesen hatte.
[12]
Mit Blick auf die moderne Geschichte der Region Makedonien
war dies übrigens eine ausgesprochen unhistorische Definition,
denn die Autonomiebewegung im osmanischen Makedonien der Jahrhundertwende,
auf die sich die Verfassungspräambel beruft, operierte mit
einem multiethnischen, ja supranationalen Regionalkonzept, in dem
der Begriff „Makedonier“ als Kollektivterminus für Bulgaren,
Türken, Aromunen, Juden, Serben, Albaner, Griechen u. a. stand.
[13]
Eine ethnonationale Konnotation der Bezeichnung „Makedonier“,
die auf eine christlich-orthodoxe, südslawischsprachige Nation
- zusätzlich zu denjenigen von Bulgaren und Serben - zielte,
war damals in der balkanischen Zentralregion selbst nicht geläufig
und gewann, wie gesagt, erst vom Zweiten Weltkrieg an an Bedeutung.
In einem intellektuellen Umfeld wie dem beschriebenen,
in dem – in Eric Hobsbawms plastischem Bild - „Geschichte“ das Hauptingredienz
zur Herstellung politischen Sprengstoffes ist
[14]
, haben zwar Historiker weiterhin eine wichtige gesellschaftliche
Funktion, doch hat es professionelle Geschichtswissenschaft
gerade deswegen außerordentlich schwer. Die historiographische
Produktion in Makedonien in den neunziger Jahren belegt die erdrückende
Übermacht politikgeschichtlicher und zeithistorischer Themen,
die sämtlich „national“ instrumentalisierbar sind.
[15]
Zwar haben der Sprung in die Eigenstaatlichkeit 1991 und die
damit einhergehende Entwertung des Ideologiemonopols des Bundes
der Kommunisten Makedoniens gerade auch der Geschichtswissenschaft
eine Internationalisierungs- und damit Professionalisierungschance
geboten, doch wurde diese bislang kaum genutzt. Die Gründe
hierfür liegen auf der Hand: Die ohnehin starke Verflechtung
von Politik und Historiographie, die aus der tragenden Rolle der
Historiker für das 1944 initiierte makedonisch-jugoslawische
nation-building-Projekt resultierte, stieg
jetzt noch einmal stark an.
[16]
Hatte die Geschichtsforschung in Skopje bislang den Auftrag,
die Existenz einer makedonischen Nation historisch herzuleiten und
nach außen – also in Richtung Bulgarien, Griechenland, aber
auch Serbien – zu propagieren, kam nun eine zentrale innenpolitische
Funktion hinzu: Die überwiegend muslimischen albanischsprachigen
Bürger des neuen Makedonien galt es als historisch allochthone Gruppe zu klassifizieren, als
bestenfalls geduldete Gemeinschaft von „Fremden“, die bei politischem
(oder anderem) „Fehlverhalten“ dahin „zurück“ zu gehen hatte,
woher sie aus Sicht der Mehrheit gekommen war – nach Kosovo, gar
nach Albanien.
[17]
Dabei war es seitens der Politik nicht einmal notwendig, den
Institutionen geschichtswissenschaftlicher Forschung einen förmlichen
Auftrag zum Beibringen „historischer Beweise“ zu erteilen, denn
bezüglich der Aversion gegen die selbst in wissenschaftlich
aufgemachten Publikationen mit der pejorativen Bezeichnung šiptari
(„Shipetaren“) belegten albanischsprachigen Makedonier
[18]
waren sich Postkommunisten und Nationalisten unter den makedonischen
Historikern einig. Krste Bitoski, altgedientes Mitglied des engeren
Führungszirkels des geschichtsmonopolistischen Instituts für
Nationalgeschichte (Institut za nacionalna istorija
[19]
), konstatierte 1998 in einem Beitrag über „Die ethnischen
Veränderungen in der Republik Makedonien nach der Befreiung
im Jahr 1944“ eine Überfremdung des Landes durch „muslimische
Bevölkerung, vor allem albanische“: „Die albanische Penetration“,
ihm zufolge „in den vergangenen zwei-drei Jahrhunderten nahezu permanent“,
aber zunächst „von elementarem Charakter“, nahm in seiner Sicht
mit der Gründung des Staates Albanien 1913 zielgerichtete Form
an.
[20]
Seine ethnodemographische Zukunftsprognose lautete:
„Im Ergebnis dieser Veränderungen wurde die
Position des makedonischen Volkes als Mehrheitsvolk ernsthaft verletzt,
und dies obwohl es in der Vergangenheit durch seine Kämpfe
und großen Opfer die makedonische Staatlichkeit geschaffen
hat und deren Träger ist. Das Verhältnis zwischen makedonischer
Mehrheit und albanischer Minderheit von 5:1 in den ersten Jahren
nach der Befreiung ist [bis] 1991 auf 3:1 reduziert worden – eine
alarmierende Warnung dahingehend, daß in nicht allzu ferner
Zukunft das makedonische Volk zur Minderheit werden und damit seine
Staatlichkeit verlieren wird: ein in der Geschichte des modernen
Europa einzigartiger Fall.“
[21]
Daß diese Art Rhetorik in die Festschrift
zum 50. Gründungsjubiläum des Instituts für Nationalgeschichte
aufgenommen wurde, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Politisierungsgrad
wie zugleich das wissenschaftliche Niveau dieser Institution. Der
bewaffnete Konflikt zwischen der „Armee zur nationalen Befreiung“
(Ushtria Çlirimtare Kombëtare - UÇK)
der albanischsprachigen Makedonier und den nahezu ausschließlich
aus makedonischsprachigen Makedoniern bestehenden staatlichen Sicherheitskräften
im Jahr 2001
[22]
veranlasste dann selbst die beiden innovativsten wie produktivsten
und zugleich namhaftesten Fachhistoriker der Tito- und Post-Tito-Ära,
Ivan Katardžiev und Blaže Ristovski
[23]
, zu ähnlich nationalistischen, im Ristovskischen Falle
auch rassistischen Äußerungen.
[24]
Daß es unter den beamteten Historikern im Institut für
Nationalgeschichte, an den Universitäten Skopje und Bitola
sowie in der Historischen Abteilung der Makedonischen Akademie der
Wissenschaften und Künste (Makedonska akademija na naukite
i umetnostite) nur eine Handvoll albanischsprachigen Makedonier
gibt, überrascht daher kaum.
Entsprechend dem weiterhin außerordentlich
starken Politik-Historiographie-Nexus ist im Wissenschaftsbereich
eine deutliche institutionelle und personale Kontinuität festzustellen.
So heißt das Institut für Nationalgeschichte auch mehr
als zehn Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung noch
so – und nicht etwa Institut für die Geschichte Makedoniens
-, ist das Institut für makedonische Sprache „Krste Misirkov“
(Institut za makedonski jazik „Krste Misirkov“)
mitnichten in Institut für die Sprachen Makedoniens umbenannt
worden, und auch das mitten in der Realisierung befindliche historiographische
Großprojekt einer sechsbändigen Gesamtgeschichte heißt
wie sein Vorläufer aus der Jahr 1969
[25]
„Geschichte des makedonischen Volkes“
[26]
, also nicht „Geschichte Makedoniens“. Das „makedonische Volk“
wird dabei nicht im juristischen Sinne als Staatsvolk, sondern eindeutig
ethnonational definiert, schließt also die nicht-makedonischen
Bevölkerungsteile samt ihrer Geschichte explizit aus.
Im Vergleich zur Zeit vor 1991 im Kern unverändert
blieb dabei die 1944 geschaffene „Meistererzählung“ zur Geschichte
eben dieses „makedonischen Volkes“. Diese kanonisierte Perspektive
fokussiert auf zwei historische Kulminationspunkte, nämlich
zum einen auf die antiosmanische Autonomiebewegung um die Jahrhundertwende,
deren Beginn auf die Gründung der „Inneren Makedonischen Revolutionären
Organisation“ (Vŭtrešna Makedonska Revoljucionna Organizacija
bzw. Vnatrešna Makedonska Revolucionerna Organizacija
– VMRO) 1893 angesetzt wird. Als Klimax gilt der Aufstand vom
20. Juli bzw. – nach neuem Stil: - 2. August, dem St.-Elias-Tag
(Ilinden) des Jahres 1903, welcher in der
genannten, ganze zehn Tage lang bestehenden „Republik von Kruševo“,
einem Bergstädtchen in einer unzugänglichen Region, resultierte.
Als der andere Kulminationspunkt wird der Partisanenkampf gegen
die bulgarische, italienische und deutsche Besatzung im Zweiten
Weltkrieg hervorgehoben. Dessen Beginn wird dabei großzügig
auf den Oktober 1941 datiert, und als sein Abschluß die konstituierenden
Sitzung des „Antifaschistische Rates der Volksbefreiung Makedoniens“
(ASNOM) am St.-Elias-Tag 1944, des Vorläufers der Regierung
der 1945 gegründeten Teilrepublik Makedonien innerhalb des
Titoschen Jugoslawien, gewertet. Bereits damals wurden der Partisanenkampf
als Vollendung des Aufstandes von 1903 und die zu gründende
Teilrepublik des kommunistischen Jugoslawien als Fortsetzung der
„Republik von Kruševo“ charakterisiert.
[27]
Das Epithethon „zweiter Ilinden“ wurde in der Folgezeit zum
Om mani padme hum von Politik und Geschichtswissenschaft
in Skopje. Der 1994 aufwendig begangene 50. Jahrestag der ersten
ASNOM-Sitzung war augenfälliger Beleg dafür, daß
sich daran auch im unabhängigen Makedonien nichts ändern
sollte.
[28]
Welche Reaktionen ein kritisches Hinterfragen
dieser sakrosankten Verknüpfung von „erstem“ mit „zweitem Ilinden“
bis weit in die neunziger Jahre hinein nach sich zog, hat der besagte
Keith Brown am Beispiel seiner eigenen Person und derjenigen des
Nachwuchshistorikers Jovan Donev vom Institut für Nationalgeschichte
eindringlich beschrieben.
[29]
Die seit 1991 erfolgten Modifizierungen der historischen
„Meistererzählung“ waren bis vor kurzem überwiegend kosmetischer
Natur, was vor allem an der erwähnten starken Kontinuität
bezüglich der Institutionen und Personen makedonischer Geschichtswissenschaft
und Geschichtspolitik der Zeit vor und nach 1991 lag. Im Geschichtsbild
der bis 1998 regierenden postkommunistischen Parteien der Republik
Makedonien nahm sich die jugoslawische Teilrepublik gleichen Namens
als Inkubator der neuen Nation und ihrer staatlichen Attribute aus
– nicht etwa als Zwangsjacke eines autoritären Belgrader Regimes.
Der Grund hierfür ist wohl nicht so sehr, daß es „wenig
emotionale Abgründe zwischen den ehemaligen Kommunisten und
ihren Gegnern und Opfern“ gab, wie der deutsche Diplomat und Makedonienkenner
Klaus Schrameyer 1997 vermutet hat
[30]
, sondern daß diese „Gegner und Opfer“ aufgrund des postkommunistischen
Monopols im Wissenschafts- und Medienbereich bis zum Machtwechsel
von 1998 zu den Nationalkonservativen der Artikulationsmöglichkeiten
weitgehend beraubt waren.
[31]
Deren dissidente Sicht auf die eigene Nationalgeschichte beleuchtet
das Schlagwort vom „dritten Ilinden“
[32]
, das auf das Unabhängigkeitsreferendum vom 8. September
1991 zielt: War die damit beschlossene Eigenstaatlichkeit in der
Perspektive der Postkommunisten lediglich die Fortsetzung eines
bereits 1944 begonnenen Prozesses staatlicher Affirmation, so sahen
die Nationalkonservativen der den Koalitionsregierungen seit 1998
vorstehenden „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation
– Demokratische Partei der Makedonischen Nationalen Einheit“ (Vnatrešna Revolucionerna Makedonska Organizacija
– Demokratska Partija za Makedonsko Nacionalno Edinstvo - VMRO-DPMNE)
in den Daten 1903 und 1944 lediglich Vorstufen der eigentlich entscheidender
Periodisierungsmarke 1991.
[33]
Hier liegt der zentrale Dissens in der Geschichtsdeutung
und Geschichtspolitik von Nationalkonservativen und Postkommunisten.
Nimmt sich dessen inhaltlicher Kern – zumindest in der Außensicht
– als nur mässig konfliktträchtig aus, so deuten dessen
institutionellen Aspekte auf den Grad der Schärfe des Konflikts
hin. Das geschichtspolitische Bollwerk der Tito-Ära, das Instituts
für Nationalgeschichte, wird weiterhin von den Postkommunisten
kontrolliert, doch im Gegenzug haben die newcomers andere
Institutionen historischer Forschung, darunter das Staatsarchiv
(Arhiv na Makedonija) zu ihrer eigenen Bastionen
ausbauen können.
[34]
Dem derzeitigen Direktor Zoran Todorovski und seinem Vorgänger
Kiro Dojčinovski, beides professionelle Historiker sowie VMRO-DPMNE-Sympathisanten
[35]
, ist es dabei gelungen, arrivierte Fachvertreter sowohl von
der Kyrill-und-Methodius-Universität Skopje als auch vom Institut
für Nationalgeschichte einzubinden, unter ihnen auch Ivan Katardžiev.
[36]
Desgleichen hat dieses nationalkonservative Lager nahezu ein
Monopol beim Verfassen historischer Lehrwerke für den Schulgebrauch
– ein Umstand, der deren rasche Entideologisierung im parteikommunistischen
Sinne samt Umdeutung in nationaler Funktion erklärt.
[37]
Angesichts der generationellen Schichtung der
makedonischen Historikerschaft mit ihrem sehr hohen Durchschnittsalter,
vor allem aber aufgrund der dramatischen ethnopolitischen Polarisierung
im Lande im Zuge des militärischen Konflikts im Jahr 2001,
ist es unwahrscheinlich, daß der Pluralisierung der makedonischen
Geschichtswissenschaft deren Internationalisierung und Professionalisierung
folgen wird. Richtig ist aber sicher, daß die Tabus der Periode
1944-1991, also die pflichtgemäße proserbische Ausrichtung
bei „sozialistischer“ Grundorientierung und die nicht minder obligate
antibulgarische Stoßrichtung, mittlerweile gefallen sind.
[38]
Der prinzipielle Konsens über Anciennität, Kontinuität
und damit Dignität der makedonischen Nation indes, also der
Primat des nationalgeschichtlichen Paradigmas, ist hingegen nur
in allerersten Ansätzen in Frage gestellt. Vor allem die ideologischen
Prämissen der Tito- und Post-Tito-Zeit wurden relativ rasch
über Bord geworfen. So wurden in diejenigen Teile der „Meistererzählung“,
welche die makedonischen politischen Organisationen der Zeit vor
1944 und ihren Kampf gegen die Teilungsmächte Jugoslawien und
Griechenland, eingeschränkt auch Bulgarien, zum Inhalt hatten,
Strömungen und Personen miteinbezogen, die bis dahin aus Gründen
der parteikommunistischen Ideologie tabu waren. Dies gilt etwa für
Figuren wie Boris Sarafov, einen der Hauptakteure des Ilinden-Aufstandes
von 1903, der bislang aufgrund des Verdachts der „Bulgarophilie“
aus dem nationalen Pantheon verbannt war
[39]
, für Todor Aleksandrov, der von 1919 bis zu seiner Ermordung
1924 dem Zentralkomitee der VMRO vorstand und diese auf prosowjetischen
Kurs brachte
[40]
, für Alesandrovs antikommunistischen Nachfolger Ivan Mihajlov,
1924 bis 1934 und danach Führer des rechten Flügels der
VMRO
[41]
, für den nicht- bzw. antikommunistischen Partisanenführer
Metodija Andonov-Čento
[42]
, den national-kommunistischen Dissidenten Panko Brašnarov
[43]
, den 1941 ins bulgarisch besetzte Skopje beorderten bulgarischen
Parteifunktionär Metodija Šatorov-Šarlo
[44]
und den makedonischen Nationalrevolutionär sowie späteren
NKVD-Mann Pavel Šatev.
[45]
Ein ebenso früher wie programmatischer Beleg für
diesen Perspektivwechsel war 1993, dem Jahr des 100. Jahrestags
der VMRO-Gründung, ein von der damals in der Opposition befindlichen
VMRO-DPMNE gleichsam als Gegenentwurf zu den aus Anlaß des
Jubiläums publizierten postkommunistischen Gesamtdarstellungen
und Sammelbänden vorgelegter Abriß mit dem Titel „Goldenes
Buch ‚100 Jahre VMRO‘“, an welchem neben dem VMRO-DPMNE-Vorsitzenden
Ljupčo Georgievski sechs Fachhistoriker, darunter auch einer
aus dem Institut für Nationalgeschichte, beteiligt waren.
[46]
Ebenfalls kein Tabu mehr, doch weiterhin ein „weißer
Fleck“ ist die Geschichte der jugoslawischen Teilrepublik Makedonien.
Die einzigen Publikationen mit Neuheitsgehalt hierzu stammen nicht
aus der Feder von Historikern, sondern aus derjenigen von Parteifunktionären,
Politikern, Militärs, Juristen, Journalisten u. a.
[47]
Ausnahmen von dieser Regel stellen die beiden investigativsten
und kritischsten Historiker am Institut für Nationalgeschichte
dar, nämlich Novica Veljanovski – zur Zeit Direktor des Instituts
- sowie Violeta Ačkoska, die beide zur Periode 1944-1953 arbeiten
[48]
, sich aber auch zur Nachkriegsgeschichte insgesamt geäußert
haben.
[49]
Eine gravierende Abweichung weist die
makedonische „Meistererzählung“ der Gegenwart im Vergleich
zu derjenigen vor 1991 allerdings auf: ihren Beginn. Die parteikommunistische
Nationalgeschichtsschreibung hatte die Anfänge des „makedonischen
Volkes“ anfänglich mit der Formierungsphase einer „makedonischen
Nation“ gleichgesetzt und diese in marxistisch-leninistischer Manier
auf den Beginn der Protoindustrialisierung im Balkanraum – also
auf die Mitte des 19. Jahrhunderts – datiert. Dies wurde bereits
in den fünfziger Jahren dahingehend korrigiert, daß das
Ohrider Reich Zar Samuils im 11. Jahrhundert den Anfang der „Geschichte
des makedonischen Volkes“ bildete – ein Datum, das unter Verweis
auf die Völkerwanderung und die Ankunft der Slaven auf dem
Balkan in der Folgezeit auf das 6. Jahrhundert vorgezogen wurde.
[50]
Bezüglich der zu jugoslawischer Zeit politisch bedingten
Fixierung auf das „Slaventum“ der Makedonier bewirkte das Jahr 1991
einen Perspektivwechsel: „Makedonisch“ im modernen Sinne wurde nun
nicht mit „slavisch“ gleichgesetzt, sondern auf seine „antiken Wurzeln“
zurückgeführt. Philipp II., Herrscher über den makedonischen
Staat des 4. Jahrhundert v. Chr., und sein Sohn Alexander (der Große),
wurden jetzt als Nationalheroen porträtiert, eine politische
Kontinuität von 27 Jahrhunderten postuliert, gar eine genuin
makedonische, d. h. nicht-slavische, ethnische Linie von den Makedonen
der Antike auf die Makedonier der Gegenwart konstruiert. Was in
der ersten Hälfte der neunziger Jahre noch als fixe Idee von
Hobbyhistorikern wie dem illustren Politiker Vasil Tupurkovski galt
[51]
, gehört mittlerweile zum Kanon der Nationalgeschichtsschreibung.
Das im Jahr 2000 vom Institut für Nationalgeschichte veröffentlichte
autoritative „Makedonische historische Wörterbuch“ etwa postuliert
historische Kontinuität zwischen dem antiken und dem modernen
Makedonien, gar ethnische Kontinuität zwischen ihren jeweiligen
Bewohnern:
„Nach der Ankunft der Slaven in Makedonien (VI.-VII.
Jh.) integrierten sich die hellenisierten und romanisierten Nachkommen
der a[ntiken] M[akedonier] zum größten Teil in die slavische
Masse und leisteten auf diese Weise ihren Beitrag zur Formierung
des neuen Ethnos auf makedonischer Basis, in der das slavische Element
(Sprache, Gebräuche) und die christliche Kultur die dominierende
Rolle spielten.“
[52]
Zugleich führt dieses Nachschlagewerk in
krasser Form die Exklusion der nicht-makedonischen (im ethnischen
Sinne) Anteile der Geschichte Makedoniens aus dem nationalen Geschichtsbild
vor Augen. So kommen die im Westen und Nordwesten des Landes die
Mehrheit bildenden Albaner hier wenn überhaupt, dann als Hilfstruppen
der italienischen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg oder als
Träger eines großalbanisch-antimakedonischen Expansionsprogramms,
ausnahmsweise auch als „gute Kommunisten“ im Partisanenkrieg vor.
[53]
Unter den 60 Autoren des Kompendiums findet sich daher nur
ein einziger albanischsprachiger Historiker aus Makedonien.
[54]
Sowohl die Inkorporierung der Antike in die historische
„Meistererzählung“ als auch das Ausblenden ihrer albanischen
Anteile sind innerhalb des mainstream makedonischer Geschichtswissenschaft
durchaus konsensfähig. Dies gilt jedoch nicht für eine
neu entstandene Diskussion über den bis vor kurzem strikt tabuisierten
bulgarischen Aspekt der Geschichte und Kultur Makedoniens, der selbst
die Regierungspartei VMRO-DPMNE in „Bulgarophile“ und „Makedonisten“
spaltet.
[55]
Hier zeichnet sich ein ebenso erbitterter wie politisch brisanter
Kampf um die Vergangenheit zwischen einer Neuauflage der „alten“,
bulgarischen „Meistererzählung“ makedonischer Geschichte und
ihrer „neuen“, makedonischen Variante ab. Die potentiellen Wirkungen
eines Infragestellens jenes „anti-Bulgarian or de-Bulgarizing aspect
of Macedonian culture“, den Stephen E. Palmer und Robert R. King
1971 als zentrales Ingredienz jugoslawischer Geschichtspolitik von
den vierziger Jahren an ausgemacht haben
[56]
, haben alle politischen Akteure und Geschichtsproduzenten in
Skopje bis vor kurzem für so gefährlich gehalten, daß
man diese Büchse der Pandora mit aller Gewalt verschlossen
hielt. Dies hat sich jedoch von 1999 an deutlich geändert.
So hat Mladen Srbinovski, der Direktor der Volks- und Universitätsbibliothek
in Skopje, den „bulgarischen Charakter“ des „ersten Ilinden“ von
1903 positiv, den „antibulgarisch, serbomanen“ des „zweiten“ von
1944 hingegen negativ hervorgehoben, gar den Makedonismus als „Kitsch“
bezeichnet.
[57]
Im Oktober 2000 nahmen Abgeordnete der VMRO-DPMNE an einem
Gedenkgottesdienst für den VMRO-Selbstmordattentäter Vlado
Černozemski teil, der 1934 in Marseille im Auftrag Mihajlovs
und seiner sich ethnonational als bulgarisch definierenden VMRO
den jugoslawischen König Aleksandar I. Karadjordjević
und den französischen Außenminister Louis Barthou ermordet
hatte.
[58]
Und im Januar 2002 wurde ebenfalls von VMRO-DPMNE-Mitglieder
im Stadtzentrum von Skopje eine Gedenktafel für Mara Buneva,
eine weitere VMRO-Selbstmordattentäterin, die 1928 in im damals
serbischen Skoplje einen hochrangigen Belgrader Beamten erschoss,
enthüllt.
[59]
Dieser neue probulgarische Strang makedonischer Geschichtspolitik
läuft der raison d’être des seit 1944 betriebenen
makedonischen nation-building „von oben“ diametral zuwider.
Diese dadurch bewirkte ethnopolitische Polarisierung hat überdies
einen historisierenden Reflex dahingehend, daß jetzt neben
der bislang verpönten bulgarischen Option auch eine andere
Option der erfolgreich verdrängten Vergangenheit, nämlich
die serbische, wieder salonfähig zu werden beginnt. Der Sprachhistoriker
Christian Voss geht daher soweit zu vermuten, daß innerhalb
der „Neupositionierung makedonischer Identität die akademische
Elite Skopjes in ein proserbisches und ein probulgarisches Lager
gespalten ist.“
[60]
Sollte also eines Tags gemäß Bitoskis zitiertem
worst case scenario „das makedonische Volk zur Minderheit
werden und damit seine Staatlichkeit verlieren“, dann dürften
die Urheber nicht die albanischen, sondern vielmehr die neu-alten
bulgarischen und serbischen Makedonier sein.
Der hohe Politisierungsgrad der makedonischen
Geschichtswissenschaft, der vor der Staatsgründung 1991 nachgerade
sprichwörtlich war, ist also seitdem mitnichten gesunken, sondern
im Gegenteil weiter angestiegen. Die Pluralisierung des politischen
Systems und der Medienlandschaft in den neunziger Jahren haben den
Historikern Makedoniens neue Möglichkeiten eröffnet und
ihnen vielfältige neue Impulse gegeben. Was allerdings die
Internationalisierung der makedonischen Historiographie betrifft,
so behindert nationale Nabelschau in Kombination mit defizitären
Fremdsprachenkenntnissen weiterhin die Rezeption außermakedonischer
Literatur zur Geschichte Südosteuropas im allgemeinen und derjenigen
Makedoniens im besonderen. Internationale Vernetzung findet folglich
kaum statt, und auch die in der Post-Tito-Ära einsetzende Professionalisierung
der Historiker in Skopje hat nach 1991 keine weitere Beschleunigung
erfahren. Dennoch gibt es etliche Hoffnungsschimmer: 1998 hat das
Institut für Nationalgeschichte sein fünfzigjähriges
Jubiläum mit einem Symposium begangen, das den Titel „Die makedonische
Geschichtswissenschaft – Errungenschaften und Probleme“ trug. Der mittlerweile veröffentlichte
Tagungsband enthält 43 Beiträge, darunter nicht weniger
als drei (selbst)kritische über die so typisch makedonische
Symbiose von Politik und Historiographie vor und nach 1991.
[61]
Der Band enthält außerdem sieben Kontributionen
von ausländischen Historikern, darunter drei aus Serbien und
je einer aus Bulgarien, der Türkei, der Tschechischen Republik
und Deutschland. Es findet sich allerdings kein Beitrag eines Griechen
oder Albaners darin, geschweige denn einer eines albanischsprachigen
Makedoniers. Der Geschichtswissenschaft der krisengeschüttelten
Minirepublik steht also noch ein weiter Weg von der „Geschichte
des makedonischen Volkes“ hin zu einer „Geschichte Makedoniens“
bevor. Eine Abbiegung in Richtung einer „Geschichte der makedonischen
Bulgaren“ ist dabei mittlerweile ebenso wenig auszuschließen
wie eine in Richtung einer „Geschichte Südserbiens“.
*
Vortrag auf der internationalen Konferenz „Ein Jahrzehnt postkommunistischer
Historiographie: Die Aufarbeitung der Vergangenheit in den 90er
Jahren“ des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts,
des Instituts für Osteuropäische Geschichte der Universität
Wien und der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften in Wien vom 27. bis 29. September 2001. – Der
Verfasser dankt Nada Boškovska-Leimgruber (Zürich), Ulrich
Büchsenschütz (Berlin), Christian Voss (Freiburg/Br.)
und Heinz Willemsen (Bochum) für Materialien, Hinweise und
Kritik.
[1]
Ivo Banac, [Historiography of the Countries of Eastern Europe:]
Yugoslavia. In: American Historical Review 97 (1992) 1085-1104.
- Zum Begriff der historischen „Meistererzählung“ vgl. Matthias
Middell, Monika Gibas, Frank Hadler, Sinnstiftung und Systemlegitimation
durch historisches Erzählen: Überlegungen zu Funktionsmechanismen
von Repräsentationen des Vergangenen. In: Zugänge zu historischen
Meistererzählungen, ed. Matthias Middell, Monika Gibas, Frank
Hadler (Leipzig 2000) 7-36 (= Comparativ 10 [2000], 2).
[2]
Wolfgang Höpken, Zwischen „Klasse“ und „Nation“: Historiographie
und ihre „Meistererzählungen“ in Südosteuropa in der Zeit
des Sozialismus (1944-1990). In: Jahrbücher für Geschichte
und Kultur Südosteuropas 2 (2000) 15-60, hier 55.
[3]
Stephen E. Palmer, Robert R. King, Yugoslav Communism and the
Macedonian Question (Hamden 1971); Othmar Nikola Haberl, Parteiorganisation
und nationale Frage in Jugoslawien (Berlin 1976) 29-33. Siehe demnächst
auch das Makedonien-Kapitel in dem Sammelband Yugoslavism: Histories
of a Failed Idea, 1918-1992, ed. Dejan Djokic (London – im Erscheinen).
[4]
Keith S. Brown, Of Meaning and Memories: The National Imagination
in Macedonia (Ph. D. Thesis, Department of Anthropology, University
of Chicago 1995) 5-6. Eine Buchfassung erscheint demnächst
unter dem Titel The Past in Question: Modern Macedonia and the Uncertainties
of Nation (Princeton, NJ, 2002).
[5]
Petra Bock, Edgar Wolfrum, Einleitung, In: Umkämpfte Vergangenheit.
Geschichtsbilder, Erinnerung und Vergangenheitspolitik im internationalen
Vergleich, ed. Petra Bock, Edgar Wolfrum (Göttingen 1999) 7-14,
hier 9. Siehe auch Beate Binder, Wolfgang Kaschuba, Peter Niedermüller,
„Geschichtspolitik“: Zur Aktualität nationaler Identitätsdiskurse
in Europäischen Gesellschaften. In: Gesellschaften im Vergleich.
Forschungen aus Sozial- und Geschichtswissenschaft, ed. Hartmut
Kaelble, Jürgen Schreiner (Frankfurt/M. 1998) 465-508.
[6]
David D. Laitin, Identity in Formation. The Russian-Speaking
Populations in the Near Abroad (Ithaca, London 1998) 11. Siehe auch
Miroslav Hroch, Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei
den kleinen Völkern Europas. Eine vergleichende Analyse zur
gesellschaftlichen Schichtung der patriotischen Gruppen (Prag 1968);
Ders., Social Preconditions of National Revival in Europe. A Comparative
Analysis of Patriotic Groups Among the Smaller European Nations
(Cambridge 1985; 2. Aufl. New York 2000); Ernest Gellner, Nations
and Nationalism (Ithaca 1983); The State of the Nation. Ernest Gellner
and the Theory of Nationalism, ed. John A. Hall (Cambridge 1998);
Benedict Anderson, Imagined Communities. Reflections on the Origins
and Spread of Natonalism (London, New York 1983; revised edition
1991). - Selbst Lutz Niethammer, der wohl schärftste Kritiker
jeglicher Art von Annahmen über die Nachweisbarkeit „kollektiver
Identität“ – in seinen Worten eine die „Irgendwie-Molluskel“
bzw. ein „universales Schein-Konzept“ –, hat in einer Diskussion
im Rahmen des Wissenschaftlichen Kolloquiums des Sonderforschungsbereichs
417 (Regionenbezogene Identifikationsprozesse. Das Beispiel Sachsen)
an der Universität Leipzig am 26. April 2001 eingeräumt,
daß die Nationalbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts durchaus
aus Ausdruck von Wir-Gruppenbewußtsein gewertet werden können.
Siehe Lutz Niethammer unter Mitarbeit von Axel Doßmann, Kollektive
Identität. Heimliche Quellen einer unheimlichen Konjunktur
(Reinbek bei Hamburg 2000).
[7]
Mathias Bernath, Das mazedonische Problem in der Sicht der
komparativen Nationalismusforschung. In: Südost-Forschungen
29 (1970) 237-248; George D. Matzureff, The Concept of a „Macedonian
Nation“ as a New Dimension in Balkan Politics (Ph. D. Thesis, Washington
1978); Stefan Troebst, Makedonische Antworten auf die „Makedonische
Frage“ 1944-1992: Nationalismus, Republiksgründung und nation-building in Makedonien. In: Südosteuropa
41 (1992) 423-442; Ders., Yugoslav Macedonia, 1943-1953: Building
the Party, the State and the Nation. In: State-Society Relations
in Yugoslavia, 1945-1992, ed. Melissa K. Bokovoy, Jill A. Irvine,
Carol S. Lilly (New York 1997) 243-266; und Hugh Poulton, Who Are
the Macedonians? (London 2. Aufl. 2000).
[8]
Keith S. Brown, Contests of Heritage and the Politics of Preservation
in the FYROM. In: Archeology under Fire. Nationalism, Politics and
Heritage in the Eastern Mediterranean and Middle East, ed. Lynn
M. Meskell (London 1998) 68-86.
[9]
Vgl. Die Interdependenz von Geschichte und Politik in Osteuropa
seit 1945. Historiker-Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für
Osteuropakunde e. V., Berlin, vom 9.-11. 6. 1976 in Bad Wiessee.
Protokoll, ed. Günther Stökl. Vervielfältigtes Ms.
(Stuttgart 1977), sowie Günther Stökl, Schlußbericht
über das Forschungsprojekt „Die Interdependenz von Historiographie
und Politik in Osteuropa“. Köln, 6. Januar 1983. In: Archiv
der VolkswagenStiftung, Hannover.
[10]
Stefan Troebst, Die bulgarisch-jugoslawische Kontroverse um
Makedonien 1967-1982 (München 1983) 241. Zu einer makedonischen
Fassung vgl. Ders., Bugarsko-jugoslovenskata kontroverza za Makedonija
1967-1982. Übersetzung Slobodanka Popovska (Skopje 1997).
[11]
Zum Mehrheitsnationalismus in Makedonien vgl. Heinz Willemsen,
Stefan Troebst, Transformationskurs gehalten. Zehn Jahre Republik
Makedonien. In: Osteuropa 51 (2001) 299-315; Magarditsch Hatschikjan,
Reparierte Nationen, separierte Gesellschaften. Makedonien und seine
neue große Frage. Ebd., 316-330; Keith Brown, In the Realm
of the Double-Headed Eagle: Parapolitics in Macedonia 1994-9. In:
Macedonia. The Politics of Identity and Difference, ed. Jane K.
Cowan (London, Sterling 2000) 123-139.
[12]
Verfassung der Republik Makedonien [1991]. Übersetzung
Valentin Stojanovski, Barbara Utevska (Skopje 1992) 3. Zur Verfassungsänderung
von 2001 siehe Ulrich Büchsenschütz, Die Verfassung der
Republik Makedonien auf dem Prüfstand. In: Südosteuropa
50 (2001) 134-149, und Ulf Brunnbauer, Doch ein historischer Kompromiß?
Perspektiven und Probleme der Verfassungsreform in Makedonien, ebd.,
346-367.
[13]
Vgl. dazu Bernard Lory, Approches de l’identité macédonienne.
In: La République de Macédoine. Nouvelle venue dans
le concert européen, ed. Bernard Lory, Christophe Chiclet
(Paris, Montreal 1998) 13-32; Feroze A. K. Yasamee, Nationality
in the Balkans. The Case of the Macedonians. In: Balkans. A Mirror
of the New International Order, ed. Günay Göksu Özdoğan,
Kemâli Saybaşılı (Istanbul 1995) 121-132; Fikret
Adanır, The Macedonians in the Ottoman Empire, 1878-1912. In:
The Formation of National Elites, ed. Andreas Kappeler (Aldershot,
New York 1992) 161-191.
[14]
„I used to think that the profession of history, unlike that
of, say, nuclear physics, could at least do no harm. Now I know
it can. Our studies can turn into bomb factories like the workshops
in which the IRA has learned to transform chemical fertiliser into
an explosive.“ So Eric Hobsbawm, The New Threat of History. In:
New York Review of Books 40 (1993), 21 (16. Dezember) 62-64, hier
63.
[15]
Istoriografija na Makedonija. Bd. IV: 1986-1995, ed. Aleksandar
Trajanovski (Skopje 1997). Siehe auch demnächst G’org‘i Stojčevski,
Die Historiographie Makedoniens in den 90er Jahren. In: Österreichische
Osthefte 44 (2002).
[16]
Stefan Troebst, IMRO + 100 = FYROM? Kontinuitäten und
Brüche in den makedonischen Nationalbewegungen in historiographischer
Perspektive. In: Österreichische Osthefte 40 (1998) 217-234.
Zu einer makedonischen Übersetzung dieses Aufsatzes durch Ivanka
Solomonova siehe Ders., VMRO + 100 = PJRM? Politikata na makedonskata
istoriografija. In: Makedonskata istoriska nauka – dostignuvanja
i problemi. Prilozi od naučniot sobir održano vo Skopje
na 17-19 noemvri 1998 godina po povod 50-godišninata od rabotata
na Institutot za nacionalna istorija, ed. Institut za nacionalna
istorija (Skopje 2001) 123-140.
[17]
Zu einer legislativen Parallelaktion vgl. das Gesetz über
die Staatsangehörigkeit der Republik Makedonien von 1992 -
Zakon za državjanstvo na Republika Makedonija. In: Služben
vesnik na Republika Makedonija Nr. 67 vom 3. November 1992, 1245-1248
-, demzufolge die Staatsbürgerschaft nicht per „Nulllösung“
der gesamten Wohnbevölkerung verliehen, sondern nur solchen
Personen zugestanden wurde, die entweder auf dem Territorium des
neuen Staates geboren sind oder mindestens 15 Jahre dort ihren ersten
Wohnsitz hatten. Ca. 150.000 Personen, d. h. fast acht Prozent der
Wohnbevölkerung, erfüllten dieses Kriterium damals nicht.
[18]
Katerina Naumoska, Albanci ili šiptari vo makedonskata
istoriografija i učebnicite po istorija. In: Aktuelni problemi
vo makedonskata istoriografija i nastava po istorija, ed. Sojuz
na Društvata na istoričarite na Republika Makedonija (Skopje
1996) 81-85.
[19]
Zu dieser bereits 1948 gegründeten Institution, der 1963
die Historische Abteilung des Zentralkomitees des Bundes der Kommunisten
Makedoniens angegliedert wurde, vgl. 50 godini Institut za nacionalna
istorija 1948-1998, ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje
1998), sowie Gunnar Hering, Mazedonische Geschichtswissenschaft.
In: Österreichische Osthefte 1 (1959), 2, 104-110; G’org’i
Abadžiev, Bericht über die Tätigkeit des „Instituts
für nationale Geschichte“ in Skopje. In: Südost-Forschungen
14 (1955) 457-459; Rudolf Preinerstorfer, Das Institut für
nationale Geschichte in Skopje. In: Südost-Forschungen 23 (1964)
342-345; Jutta de Jong, Das „Institut za nacionalna istorija“ in
Skopje – ein weiterer Zwischenbericht. In: Südost-Forschungen
37 (1978) 204-205; Troebst, Kontroverse, 43-66; und Keith S. Brown,
A Rising to Count On: Ilinden Between Politics and History in Post-Yugoslav
Macedonia. In: The Macedonian Question: Culture, Historiography,
Politics, ed. Victor Roudometof (Boulder, New York 2000) 143-171.
[20]
Krste Bitoski, Etničkite promeni vo Republika Makedonija
po osloboduvanjeto 1944 godina. In: Makedonskata istoriska nauka
437-441, hier 437-438.
[21]
Ebd. 441.
[22]
Siehe dazu Ulrich Büchsenschütz, Die Mazedonien-Krise
(Bonn 2001) (= Politikinformation Osteuropa der Friedrich-Ebert-Stiftung,
Heft 95); und Stefan Troebst, Vom interethnischen Schlachtfeld zum
ethnopolitischen Stabilitätspol: Gewalt und Gewaltfreiheit
in der Region Makedonien im 20. Jahrhundert. In: Nationalitätenkonflikte
im 20. Jahrhundert. Ursachen von inter-ethnischer Gewalt im Vergleich,
ed. Philipp Ther, Holm Sundhaussen (Wiesbaden 2001) 35-55, hier
48-51.
[23]
Zu Katardžiev siehe seine unmittelbar nach der „Wende“
veröffentlichten kritischen Bestandsaufnahmen makedonischer
Nationalgeschichtsschreibung: Ivan Katardžiev, Politika i istorija
– istorija i politika. In: Istorija 23 (1987 [1991]) , 1-2, 9-29,
und Ders., Makedonskite političkite sili i istoriskoto nasledstvo
na makedonskiot narod. In: Istorija 26 (1990-1991 [1992]), 1-4,
7-28, Vgl. auch seine neuesten synthetisierenden Hervorbringungen:
Ivan Katardžiev, Makedonija i makedoncite vo svetot (Skopje
1996); Ders., Sosedite na Makedonija – včera, denes, utre (Skopje
1998); und Ders., Makedonija sproti Vtorata svetska vojna (Letopis
za politikata na denacionalizacija na makedonskiot narod) (Skopje
1999). Auch Ristovski hat unlängst zwei Synthesen seines gewaltigen
Oeuvres vorgelegt: Blaže Ristovski, Macedonia and the Macedonian
People (Wien, Skopje 1999), und Ders. Istorija na makedonskiot narod
(Skopje 1999). Weiterführende bibliographische Hinweise zu
beiden Historikerpersönlichkeiten bei Troebst, IMRO + 100 =
FYROM.
[24]
Zu Katardžievs Gleichsetzung der Forderungen albanischsprachiger
Makedonier nach Gleichberechtigung und politischer Partizipation
mit einem „großalbanischen“ Programm siehe die deutsche Übersetzung
eines Interviews in der Skopjoter Zeitschrift Start Nr. 116 vom
13. April 2001 bei Büchsenschütz, Die Verfassung, 143-146.
Ristovski glaubte ausgerechnet die Tagung „Interethnic Coexistence
and Dialogue in the Western Balkan Region. Part I: Macedonia“ der
Münchner Südosteuropa-Gesellschaft in Ohrid im Mai 2001
dazu nutzen zu müssen, um die nicht-makedonischen Teilnehmer
vor der „afrikanischen Natalität“ der albanischsprachigen Makedonier
zu warnen. Zu einem Tagungsbericht vgl. URL http://www.suedosteuropa-gesellschaft.com/index.cfm?page=aktuell.
[25]
Istorija na makedonskiot narod, ed. Institut za nacionalna
istorija. 3 Bde. (Skopje 1969). Zur „Urfassung“ aus dem Jahr 1949,
in deren Titel noch von der „makedonischen Geschichte“ die Rede
war, vgl. Kratok pregled na makedonskata istorija (Skopje 1949).
Wesentlich prägender als dieses Lehrbuch war in der zweiten
Hälfte der vierziger Jahre allerdings die bezeichnend betitelte
Propagandaschrift von Kiril Nikolov, Za makedonskata nacija (Skopje
1948).
[26]
Istorija na makedonskiot narod, ed. Institut za nacionalna
istorija. 6 Bde. (Skopje 1998 ff.). Erschienen sind bislang Bd.
1: Makedonija od praistoriskoto vreme do potpag’anjeto pod turska
vlast (1371 godina), ed. Branko Panov (Skopje 2000); Bd. 2: Makedonija
pod turska vlast (od XIV do krajot na XVII vek), ed. Aleksandar
Stojanovski (Skopje 1998), und Bd. 4: Ivan Katardžiev, Makedonija
meg’u Balkanskite i Vtorata svetska vojna (1912-1941) (Skopje 2000).
[27]
James Krapfl, The Ideals of Ilinden: Uses of Memory and Nationalism
in Socialist Macedonia. In: State and Nation Building in East Central
Europe: Contemporary Perspectives, ed. John S. Micgiel (New York
1996) 297-316; Brown, A Rising to Count On, passim. Entsprechend
findet ein nahezu paralleler Versuch der Gründung eines makedonischen
Staates durch Adolf Hitler in den ersten Septembertagen 1944 in
der Skopjoter Historiographie kaum Berücksichtigung. Vgl. zu
einer Ausnahme Marjan Dimitrijevski, Obidot na Vančo Mihajlov
za sozdavanje na „Nezavisna Makedonija“ 1944 godina. In: Makedonskata
istoriska nauka, 309-329, sowie demnächst Stefan Troebst, „Führerbefehl!“
- Adolf Hitler und die Proklamation eines unabhängigen Makedonien
(September 1944). Eine archivalische Miszelle. In: Osteuropa 52
(2002), H. 4.
[28]
Die Kontinuität in der Bewertung der ASNOM-Beschlüsse
belegt ein Vergleich des autoritativen Tagungsbandes zum 50. ASNOM-Jahrestag
mit denjenigen zum 40., 30. und 20., die in die jugoslawische Periode
fielen: ASNOM – petdeset godini makedonska država 1944-1994.
Prilozi od naučen sobir održan na 17-18 noemvri 1994,
ed. Makedonska akademija na naukite i umetnostite, Institut za nacionalna
istorija (Skopje 1995); ASNOM vo sozdavanjeto na državata na
makedonskiot narod. Referati od naučen sobir održan od
29 do 31 oktomvri 1984 godina vo Skopje, ed. Makedonska akademija
na naukite i umetnostite (Skopje 1987); ASNOM – ostvaruvanje na
ideite za sozdavanje na makedonskata država i negoviot meg’unaroden
odglas i odraz. Simpozium posveten na 30-godišninata od ASNOM.
Skopje, 23-25 oktomvri 1974 godina, ed. Makedonska akademija na
naukite i umetnostite (Skopje 1977); Razvitokot na državnosta
na makedonskiot narod. Materijali od Simpoziumot po povod 20-godišninata
od Prvoto zasedanie na ASNOM održan na 23 i 24 oktomvri 1964
godina, ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje 1966). Aus Anlaß
des 50. Jahrestages erschien überdies eine Faksimileausgabe
der Protokolle des ASNOM-Präsidiums im Zeitraum 6. August 1944
– 28. Mai 1945. Vgl. The Presidium of ASNOM Minutes, ed. Institute
of National History (Skopje 1994). Desgleichen wurde 1993 von der
postkommunistischen Regierung Makedoniens beschlossen, die anläßlich
des 40. Jahrestages vom Staatsarchiv begründete großangelegte
Dokumentenedition ASNOM (Antifašističko sobranie na narodnoto
osloboduvanje na Makedonija). Dokumenti, ed. Arhiv na Makedonija,
als Gemeinschaftsunternehmen von Staatsarchiv und der mit Angelegenheiten
der makedonischen Diaspora befaßten Regierungsbehörde
„Matica makedonska“ fortzuführen. Bislang sind die Bände
I,1 und I,2 (Skopje 1984), I,3 (Skopje 1987), I,4 und I,5 (Skopje
1994) sowie II,1 (Skopje 1995) erschienen.
[29]
Keith S. Brown, Would the Real Nationalists Please Step Forward:
Destructive Nationalism in Macedonia. In: Fieldwork Dilemmas: Anthropologists
in Postsocialist States, ed. Hermine De Soto, Nora Dudwick (Madison
2000) 31-48.
[30]
Klaus Schrameyer, Makedonien: Friedlichkeit, Maß und
Vernunft – mit balkanischem Charme. In: Südosteuropa 46 (1997)
661-694, hier 665.
[31]
Heinz Willemsem, Machtwechsel in der EJR Makedonien. In: Südosteuropa
48 (1999) 16-28.
[32]
Zum „dritten Ilinden“ siehe pointiert Vladimir Čupeski,
A‘ bre makedonče. Abecedar i pamfleti za naci-bolševizmot
1982-1990 (Skopje 1993) 33-36; und Brown, A Rising to Count On,
163. Der Unterschied zum „offiziellen“ Geschichtsbetrieb wird am
Beispiel des Chronikbands aus Anlaß des fünfzigjahrigen
Bestehens des Instituts für Nationalgeschichte im Jahr 1998
augenfällig: Hier wurde ausschließlich auf den „zweiten
Ilinden“ Bezug genommen. Vgl. Novica Veljanovski, Approaching the
Fiftieth Anniversary. In: 50 godini Institut za nacionalna istorija,
7-17, hier 7.
[33]
Brown, A Rising to Count On, 165.
[34]
Zum Archiv siehe dessen Homepage (URL http: //www.arhiv.gov.mk/Ang1.htm)
. Hier findet sich ein Link zu einer Text-Bild-Fassung der nationalkonservativen
Variante der „Meistererzählung“ makedonischer Geschichte mit
dem Titel „Macedonia Through the Centuries“, welche Archivmitarbeiter
unter Leitung von Slavica Nikolovska ursprünglich als Ausstellung
zusammengestellt haben (URL http://www.soros.org.mk/archive/index.htm).
[35]
Zum dezidiert revisionistischem Geschichtsbild des amtierenden
Archivdirektors vgl. Zoran Todorovski, Dejnosta na desnite strui
i na organizaciite. In: Aleksandar Trajanovski u. a., Zlatna kniga
100 godini VMRO (Skopje 1993) 152-192; Ders., Vnatrešnata Makedonska
Revolucionerna Organizacija 1924-1934 (Skopje 1997); und Ders.,
Makedonskata istoriografija i politikata (aktuelni refleksii vo
makedonskiot pluralistički sistem). In: Makedonskata istoriska
nauka, 505-517. Zur nicht minder revisionistischen Weltsicht von
Todorovskis Amtsvorgänger vgl. Kiro Dojčinovski, Makedonija
niz vekovete (Skopje 1995).
[36]
Siehe die „antijugoslawische“ Memoirenedition von Gligor Krsteski,
Otpori i progoni 1946-1950 (Skopje 1994), sowie zwei „revisionistische“
Quelleneditionen: Nastani na Skopskoto Kale na 7 januari 1945 godina.
Dokumenti, ed. Arhiv na Makedonija, Institut za nacionalna istorija,
Matica makedonska (Skopje 1997), und Italijanski diplomatski dokumenti
za Makedonija. Tom 1, kniga 1: 1918-1924, ed. Ivan Katardžiev,
Alenka Lape (Skopje 2001).
[37]
Siehe dazu Evangelos Kofos, The Vision of „Greater Macedonia“.
Remarks on FYROM’s new school textbooks (Thessaloniki 1994), sowie
vor allem Sofia Vouri, War and National History. The Case of History
Textbooks in the Former Yugoslav Republic of Macedonia (1991-1993).
In: Öl ins Feuer? Schulbücher, ethnische Stereotypen und
Gewalt in Südosteuropa, ed. Wolfgang Höpken (Hannover
1996) 179-214, hier 180-181. Unter den 27 hier genannten Autoren
von Lehrwerken für den Geschichtsunterricht (212-213) befinden
sich nur vier Mitarbeiter des Instituts für Nationalgeschichte
– darunter zwei mit klarer VMRO-DPMNE-Orientierung. Zu kritischen
Stellungnahmen bezüglich einer vorgeblich überproportionalen
Berücksichtigung der Geschichte der albanischsprachigen Makedonier
in den nach 1991 veröffentlichten Schulbüchern der Republik
Makedonien siehe Ivan Katardžiev, Aktuelni problemi na makedonskata
istoriografija. In: Aktuelni problemi, 7-11, hier 10, sowie Naumoska,
Albanci ili šiptari.
[38]
Christian Voss, Sprach- und Geschichtsrevision in Makedonien.
Zur Dekonstruktion von Blaže Koneski. In: Osteuropa 51 (2001)
953-967.
[39]
Brown, A Rising to Count On, 155-160.
[40]
Vgl. die – weitgehend hagiographischen – Darstellungen von
Dimitar Galev, Todor Aleksandrov od avtonomija do samostojna država
(Skopje 1995), und Branislav Sinadinovski, Todor Aleksandrov (Sveti
Nikole 1995).
[41]
Ivan Katardžiev, Predgovor. In: Ivan Mihajlov, Po trnliviot
pat na makedonskoto osloboditelno delo, ed. Ivan Katardžiev
(Skopje 2001) 5-20 (makedonische Übersetzung von „Bregalniški“
[= Ivan Michajlov], Po trŭnlivija pŭt na makedonskoto
osvoboditelno delo [O. O. 1939]). Siehe auch Katardžiev, Makedonija
sproti Vtorata svetska vojna; Ders., Makedonija meg’u Balkanskite
i Vtorata svetska vojna; sowie bereits Ders., Vreme na zreenje.
Makedonskoto nacionalno prašanje meg‘u dvete svetski vojni
(1919-1930). 2 Bde. (Skopje 1977).
[42]
Fidanka Tanaskova, Metodija Andonov Čento (Skopje 1990);
Čento – čovek, revolucioner, državnik. Zbornik na
materijali od Trkaleznata masa održana na 26. 11. 1991 godina
vo Prilep, ed. Orde Ivanoski (Prilep 1993); Blaže Ristovski,
Čento i čentovizmot vo istorijata i vo sovremenosta. In:
Sovremenost 43 (1993), 5-6, 167-175.
[43]
V Naučen sobir „Panko Brašnarov – život i delo
(1883-1951)“, ed. Vera Veskovik‘-Vangeli (Titov Veles 1992).
[44]
Riste Bunteski-Bunte, Metodija Šatorov-Šarlo (Politički
stavovi) (Prilep 1997).
[45]
Pavel Šatev: vreme – život – delo (1882-1951), ed.
Institut za nacionalna istorija (Skopje 1996). Das Staatsarchiv
hat ebenfalls einen Sammelband über Šatev angekündigt:
Zbornik Pavel Šatev, ed. Arhiv na Makedonija (Skopje – im Erscheinen).
[46]
Ljupčo Georgievski, VMRO-Demokratska partija za makedonsko
nacionalno edinstvo (1990-1993), sledbenik na ideite na VMRO. In:
Zlatna kniga 100 godini VMRO, 249-255. Zu den Jubiläumspublikationen
der postkommunistischen Konkurrenz vgl. Sto godini od osnovanjeto
na VMRO i 90 godini od Ilindenskoto vostanie. Prilozi od naučen
sobir održan na 21-23 oktomvri 1993 g., ed. Makedonska akademija
na naukite i umetnostite (Skopje 1994), und Ivan Katardžiev,
Sto godini od formiranjeto na VMRO – sto godini revolucionerna tradicija
(Skopje 1993).
[47]
Radoslav Ognjanovski, Makedonija vo sedumdesettite godini (Skopje
1990); Slavko Milosavlevski, Strav od promeni. Krizata na političkiot
sistem na Jugoslavija vo sedumdesette godini (Skopje 1991); Ilija
Maksimovski, Političiot zatvorenik za Makedonija (Skopje 1991);
Dimitar Mirčev, Dramata na pluralizacijata (Skopje 1991); Stojan
Risteski, Sudeni za Makedonija (1945-1983) (Skopje 1993); Stavre
Džikov, Makedonija vo komunističkiot triagolnik (Skopje
1993); Mitre Arsovski, Hronika na eden neminoven raspad (Skopje
1995); Ilija Maksimovski, Makedonija vo strategijata na pretsedatelot?
(Skopje 1995); Grozdan Cvetkovski, Za što se borevme (Skopje
1995); Krste Crvenkovski, Slavko Milosavlevski, Našiot pogled
za vremeto na Koliševski (Skopje 1996); Kole Mangov, Vo odbrana
na makedonskiot nacionalen identitet (Skopje 1998); Nada Aleksoska,
Smiljan Griovski – agentot na CIA (Skopje 1999); Jovan Pavlovski,
Mišel Pavlovski, Včera i denes – Makedonija! Praktikum
po istorija (Skopje 2000); Kiro Gligorov, Makedonija e se što
imame (Skopje 2001).
[48]
Novica Veljanovski, Administrativno-centralističkiot period
vo državnopravniot razvoj na Makedonija (1945-1953) (Skopje
1992); Ders., Makedonija vo jugoslovensko-bugarskite odnosi 1944-1953
(Skopje 1998); Violeta Ačkoska, Zadrugarstvoto i agrarnata
politika 1945-1955 godina; Dies., Zadolžitelniot otkup vo Makedonija
1945-1953 godina (Skopje 1995); Agrarnata reforma i kolonizacijata
vo Makedonija 1944-1953. Dokumenti, ed. Violeta Ačkoska (Skopje
1997).
[49]
Novica Veljanovski, Obid za periodizacijata na istoriskoto
minato po Vtorata svetska vojna (1945-1991). In: Glasnik na Institutot
za nacionalna istorija 42 (1998), 2, 7-26; Violeta Ačkoska,
Mestoto i ulogata na vladite na Makedonija. Nekoi aspekti od nivnoto
konstituiranje i rabota 1945-1995 godina. In: Glasnik na Institutot
za nacionalna istorija 39 (1995), 1-2, 15-31.
[50]
Sie dazu autoritativ die 1981 von der Fakultät für
philosophisch-historische Wissenschaften der Kyrill-und-Methodius-Universität
Skopje veröffentlichte Standardquellensammlung zu makedonischen
Nationalgeschichte, deren erster Band den Zeitraum „Von der Ansiedlung
der Slaven in Makedonien bis zum Ende des Ersten Weltkriegs“ abdeckte
(Dokumenti za borbata na makedonskio narod za samostojnost i za
nacionalna država. Bd. I: Od naseluvanjeto na slovenite vo
Makedonija do krajot na Prvata svetska vojna, ed. Fakultet za filozofski-istoriski
nauki na Univerzitetot „Kiril i Metodij“ [Skopje 1981]) sowie 1986
eine einbändige Synthese der Makedonischen Akademie der Wissenschaften
und Künste in russischer Übersetzung, deren erster Teil
„Makedonien vom 4. bis 14. Jahrhundert“ behandelte (Makedonija i
makedonskij narod. Istorija makedonskogo naroda, ed. Makedonska
akademija na naukite i umetnostite [Skopje 1986] 5-64). Allerdings
fand sich im ersten Band der dreiteiligen Gesamtdarstellung des
Instituts für Nationalgeschichte aus dem Jahr 1969 ein Abschnitt
über „Gründung und Entwicklung des antiken makedonischen
Staates“ (Istorija na makedonskiot narod. Bd. I, 33-47).
[51]
Vasil Tupurkovski, Istorija na Makedonija - Filip II (Skopje
1995).
[52]
O. A., Antički Makedonci. In: Makedonski istoriski rečnik,
ed. Institut za nacionalna istorija (Skopje 2000) 39-40, hier 40.
Vgl. auch Nade Proeva, Studii za antičkite Makedonci (Skopje
1997).
[53]
Während die Lemmata „Albaner“ und „Albanisch“ u. a. fehlen,
heißt es unter dem Stichwort „Großalbanien“: „Die Idee
eines Großalbanien stellt auch heute die nachhaltige politische
Orientierung der albanischen national-chauvinistischen Kreise dar.“
(O. A., Golema Albanija. In: Makedonski istoriski rečnik 131).
[54]
Ebd. 6.
[55]
So hat Ministerpräsident Georgievski 1996 die orthographische
Form seines Vornamens von der makedonischen Variante „Ljupčo“
in die bulgarische Schreibweise „Ljubčo“ geändert.
[56]
Palmer, King, Yugoslav Communism, 134.
[57]
Mladen Srbinovski, Obedi ništožnost (Skopje 1999)
59.
[58]
Bugarska propaganda u Makedonij. Počast atentatoru. In:
Vreme vom 2. November 2000, 40. Zum Attentat selbst siehe Stephen
Clissold, Murder in Marseille. Chapter 3: Marseille. In: The South
Slav Journal 7 (1984), 1-2 (23-24) 18-26.
[59]
Utrinski vesnik vom 14. Januar 2002. Die Gedenktafel wurde
an der Stelle des Attentats angebracht, an der sich bereits in den
Jahren der bulgarischen Besatzung Skopjes von 1941 bis 1944 eine
ähnliche Tafel befunden hatte. – Zu Bunevas Tat und ihren Folgen
siehe Stefan Troebst, Mussolini, Makedonien und die Mächte
1922-1930. Die „Innere Makedonische Revolutionäre Organisation“
in der Südosteuropapolitik des faschistischen Italien (Köln,
Wien 1987) 279-288.
[60]
Voss, Sprach- und Geschichtsrevision, 954.
[61]
Violeta Ačkoska, Politikata i istoriografija 1944-1998.
In: Makedonskata istoriska nauka, 487-503; Todorovski, Makedonskata
istoriografija i politika; und Troebst, VMRO + 100 = PJRM?.
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